Schüler aus anderen Ländern haben Nase vorn

Achtklässler bei Neuen Medien nur Mittelmaß

Berlin - Sie wachsen von Klein auf mit Tablets, Apps und Internet auf, doch die Computerkenntnisse der hiesigen "Digital Natives" sind im internationalen Vergleich eher Mittelmaß.

Achtklässler in Deutschland landeten in der Rangliste in der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie zu Computer- und informationsbezogenen Kompetenzen (ICILS) hinter ihren Altersgenossen unter anderem aus Tschechien, Kanada, Australien, Norwegen, Dänemark und Korea. Die Studie zeigt auch, dass der Anteil von besonders leistungsstarken Schülern in Sachen digitale Kompetenz sehr gering ist.

Für die repräsentative Untersuchung ICILS (International Computer and Information Literacy Study) wurden im Jahr 2013 Schüler in mehr als 20 Ländern befragt. In Deutschland wurde die vom Bundesforschungsministerium geförderte Befragung von Bildungsforschern der Technischen Universität Dortmund und der Uni Paderborn geleitet; mehr als 2200 Schüler und fast 1400 Lehrer aus 142 Schulen nahmen daran teil.

Für ihre Erhebung stellten die Forscher den Schülern Aufgaben etwa zur Recherche auf Internetseiten und zur Erstellung eigener Textdokumente. Die Schüler wurden dann je nach Abschneiden in fünf Kompetenzstufen eingeteilt. Die unterste umfasst rudimentäre Fertigkeiten der Informationsaufnahme und sehr einfache Schritte wie das Anklicken von Links oder E-Mails. Die höchste Kompetenzstufe erreichte, wer "sehr elaborierte" Fähigkeiten beim Bewerten und Organisieren selbstständig ermittelter Informationen unter Beweis stellte. In diese Kategorien fielen international nur zwei Prozent der Schüler, in Deutschland waren es 1,5 Prozent.

Die Mehrheit der deutschen Schüler (45,3 Prozent) fand sich in der mittleren Kompetenzstufe wieder: Sie können mit Hilfestellungen Informationen finden, bearbeiten und einfache Texte mit dem Computer erstellen. Etwa ein Drittel der deutschen Achtklässler landete in den untersten beiden Kompetenzstufen. Als bemerkenswert hoben die Forscher hervor, dass Mädchen signifikant besser abschlossen als Jungen. Achtklässler aus unteren und mittleren Schichten oder mit Migrationshintergrund fanden sich überproportional häufig auf unteren Kompetenzstufen wieder.

Im internationalen Vergleich landete Deutschland auf der Rangliste mit einem Leistungsmittelwert von 523 Punkten im Mittelfeld, lag aber immer noch "signifikant über dem internationalen Mittelwert von 500 Punkten", wie es in der Studie heißt. An der Spitze lagen tschechische Schüler mit 553 Punkten, gefolgt von Kanada (547 Punkte), Australien und Dänemark (jeweils 542 Punkte). Schlusslicht war die Türkei mit 361 Punkten.

Das Fazit der deutschen Studienautoren fiel verhalten aus: Die Ergebnisse machten deutlich, "dass die weit verbreitete Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzerinnen und Nutzern digitaler Medien, nicht zutrifft". Ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien in schulischen Prozessen werde Deutschland auch zukünftig "nicht über ein mittleres Leistungsniveau hinauskommen".

Grund für den offenbar noch schleppenden Einsatz von Computern im Unterricht ist neben Ausstattungsproblemen womöglich auch Misstrauen der Lehrer, dass der Studie zufolge nirgendwo so groß ist wie in Deutschland: Drei Viertel der Pädagogen äußern demnach Bedenken, dass der Computereinsatz das Kopieren von Quellen vereinfacht.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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