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Diabetes: Hoffnung durch Stammzellen

- München - Die Zuckerkrankheit ist medikamentös nicht heilbar. Bisher kennen die Forscher nicht einmal die genauen Ursachen, die zur Ausbildung eines Diabetes mellitus führen. Dieser lateinische Fachbegriff bedeutet "honigsüßer Durchfluss" und bezieht sich auf den hohen Zuckergehalt, der bei unbehandelten Diabetikern im Urin gefunden wird.

<P>Anlass zur Hoffnung geben dieser Tage in München neue Erkenntnisse, die in 1300 wissenschaftlichen Vorträgen auf der 40. Jahrestagung der Europäischen Diabetes Gesellschaft (EASD), im Internationalen Kongresscenter präsentiert werden. Einer der Schwerpunkte der Tagung befasst sich mit Stammzellen. Sie sollen künftig auch als Insulinlieferanten für Diabetiker dienen. Insulin ist ein Hormon, das den Zucker-Stoffwechsel im Blut reguliert.<BR><BR>Shimon Efrat von der Universität Tel Aviv ist es gelungen, mit menschlichen Zellen im Reagenzglas Insulin herzustellen. Er stellte seine Ergebnisse, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den USA entwickelt wurden, in München vor.<BR><BR>Die Forscher haben fötale Stammzellen - die aus der Leber einer Fehlgeburt im vierten Monat entnommen wurden - gewonnen und genetisch modifiziert. Nach der Behandlung haben die Leberstammzellen Insulin produziert, wie es sonst nur die sogenannten Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse beim gesunden Menschen tun. Im Anschluss wurden die Zellen dann zuckerkranken Mäusen eingesetzt. Mit dieser Behandlung waren die Mäuse über mehrere Monate hinweg von der Zuckerkrankheit befreit. Efrat hofft, "das solche gezüchteten, menschlichen Zellen in absehbarer Zeit auch im klinischen Versuch bei Diabetikern getestet werden können." </P><P>Dem Einsatz entgegen wirkt jedoch das menschliche Immunsystem, das fremde Zellen bekämpft und abstößt. Aus diesem Grund arbeiten Experten weltweit an der Entwicklung von Kapseln oder anderen "Transportmitteln", welche die insulinproduzierenden Zellen transportieren und vor dem Angriff des körpereigenen Immunsystems schützen.<BR>"Die genetisch veränderten Zellen produzieren etwa 60 Prozent des Insulins, das von Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse gesunder Menschen hergestellt wird", erklärt Efrat. "Sobald eine dauerhafte Produktion gewährleistet wäre, würde diese Menge ausreichen, um Typ-1-Diabetes zu heilen."</P><P>Diese Krankheit, auch jugendlicher Diabetes genannt, liegt vor, wenn das Immunsystem des Körpers die eigenen Beta-Zellen als "Fremdkörper" erkennt. Dann werden diese Zellen angegriffen und zerstört. Als Folge fehlt dem Körper Insulin für den Abbau von Zucker im Stoffwechsel. Das fehlende Insulin bedingt einen starken Anstieg des Blutzuckerspiegels und kann bis zum Tod führen. Die Ursachen für diesen selbstzerstörerischen Prozess sind bisher unklar.</P><P>Weltweit leiden etwa 200 Millionen Menschen an der Zuckerkrankheit. Als Folgekrankheiten können Herz-Kreislauferkrankungen, Blindheit, Nierenversagen und Unterversorgung der Gliedmaßen bis hin zur Amputation auftreten.</P><P>Diabetes vom Typ 1 betrifft zehn Prozent aller Fälle. Mit 90 Prozent leidet die Mehrheit an Diabetes vom Typ 2, auch Erwachsenenform genannt. Unausgewogene Ernährung, Übergewicht und ein Leben im Sitzen führen zu einer Unfähigkeit des Körpers, auf Insulin zu reagieren. Auch hier ist der Auslöser noch unklar. Am Diabetes vom Typ 2 erkranken hauptsächlich Menschen ab dem 45. Lebensjahr, aber die Patienten werden immer jünger. Der jüngste deutsche Patient ist fünf Jahre alt und lebt in Leipzig.</P><P>"Wir hoffen, dass unsere Stammzellen einmal bei beiden Diabetes-Formen genutzt werden können", sagt Efrat. "Bis dahin muss jedoch noch viel geforscht werden."</P>

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