Diagnose: Angst

- Der Atem bleibt weg, das Herz beginnt zu rasen, Schweiß bricht aus. Ein Adrenalinschub jagt den anderen, der ganze Körper ist in maximaler Bereitstellung. Jeder zehnte Deutsche leidet an Angst- und Panikattacken, knapp drei Prozent sogar chronisch. Eine Krankheit, die häufig nicht erkannt wird, aber in den meisten Fällen behandelt werden kann.

<P>"Stress, Kummer oder Übermüdung können dazu führen, dass das Nervensystem überreagiert, die Folge sind plötzliche Angstzustände", erklärt Dr. Markus Bassler, Oberarzt an der Psychosomatischen Universitätsklinik Mainz bei einer Fachtagung.</P><P>Meistens reiche als Therapie schon ein gut gemachtes Entspannungsprogramm oder die Änderung der Lebensumstände, sagt Bassler. Schwieriger werde es, wenn die Angst zur Krankheit wird. Bekannt sind Phobien, wie die panische Angst vor Spinnen oder engen Räumen. Sie sind an bestimmte Orte oder Objekte gebunden und können durch Verhaltenstherapie gut behandelt werden, so Bassler. "Die Patienten lernen, sich der Angst aktiv zu stellen."</P><P> Gewöhnung heißt der Trick, das bedeutet zum Beispiel, ganz langsam auf Tuchfühlung mit dem ungeliebten Achtbeiner zu gehen. Im Unterschied zu den Phobien sind diffuse, unspezifische Angst- oder Panikstörungen, die bis zur grundlosen Todesangst reichen können, schwerer zu erkennen. Häufig treten körperliche Probleme wie Darmbeschwerden, Hauterkrankungen, Schwindel oder Herzrhythmusstörungen auf, für die der Hausarzt keine organische Erklärung findet. Fehldiagnosen seien keine Seltenheit, manchmal dauere es fünf Jahre, bis ein Angstpatient als solcher diagnostiziert werde. </P><P>Für den Betroffenen kann das verhängnisvoll sein: Anders als Depressionen haben Angststörungen unbehandelt keine gute Prognose. "Die Patienten haben schließlich Angst vor der Angst und versuchen, sie mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln zu betäuben, der Weg in die Sucht ist dann nicht weit", erläutert der Psychosomatiker. Die Ursachen - sozialisationsbedingte Fehlentwicklungen oder die Unfähigkeit, Konflikte zu meistern - blieben unbekämpft.</P><P>Dabei könne eine Kombination aus Verhaltenstherapie, Training im Umgang mit der Angst und Tiefenpsychologie das Aufarbeiten der seelischen Ursachen bei vier von fünf Patienten heilen.<BR>Noch wenig erforscht: Hypochondrie, die panische Angst um die eigene Gesundheit. Oft belächelt, ist sie doch eine ernst zu nehmende Krankheit, aber, so Bassler, kaum behandelbar, weil es schwer sei, Patienten, die glauben, ein tödliches Leiden zu haben, von dem eigentlichen Problem zu überzeugen.</P>

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