Dicke Luft im Massen-Seminar

- Mit Beginn des Sommersemesters werden an der Münchner Fachhochschule (FHM) die Auswirkungen der von der Staatsregierung beschlossenen Sparpläne in drastischer Weise deutlich. Kleingruppen-Seminare müssen zu Massenveranstaltungen zusammengelegt werden, andere Veranstaltungen fallen aus. Studenten und Professoren sehen massiven Verschlechterungen im Studienbetrieb entgegen.

<P>Kein Durchkommen im großen Hörsaal an der Dachauer Straße 98 B: Studenten sitzen dicht gedrängt auf den Treppen, stehen am Geländer der Galerie und drängen sich im Vorraum an den Türen. Gebannt lauschen sie bei der außerplanmäßigen Vollversammlung zum Semesterstart den Hiobsbotschaften von Professor Michael Kortstock, Dekan für Maschinenbau, Fahrzeug- und Flugzeugtechnik.<BR><BR>"Einige Vorlesungen zu Spezialgebieten, die Lehrbeauftragte hätten halten sollen, werden nicht stattfinden", so der Dekan. Denn die geforderten fünf Prozent Einsparungen muss die FHM aus dem Volumen ihrer frei verteilbaren Gelder herausschneiden, zu denen die Lehrauftragsmittel zählen. Hier bricht gut die Hälfte des Budgets weg.<BR><BR>"Auf dem neuesten Stand sind die Leute, die in der Praxis arbeiten. Wenn wir die nicht in die Lehre einbeziehen können, fehlt etwas", so Kortstock. Einbußen in der Lehr-Qualität sind die Folge.<BR><BR>Während einige Fächer dem Spardiktat zum Opfer fallen - in der Fahrzeugtechnik etwa Verbrennungsmotoren-Konstruktion oder Reifentechnik -, können andere nur noch als Massenveranstaltung unterrichtet werden. Gedränge im Hörsaal wie bei der Vollversammlung könnte zur Regel werden. So wird die Chemie für Maschinenbau-Studenten im zweiten Semester statt in fünf 60-köpfigen Gruppen nun in einer Gruppe von 300 Studenten unterrichtet - in einem Hörsaal mit 230 Plätzen, wie Prodekan Marko von Tapavicza betont. Es sei bereits ein regelrechter Verteilungskampf um die wenigen großen Hörsäle entbrannt, berichtet Studiendekan Alfred Fuchsberger von der Feinwerk- und Mikrotechnik.<BR><BR>"Der für Fachhochschulen typische seminaristische Unterricht ist praktisch nicht mehr möglich", beklagt Feinwerktechnik-Student Robert Zemke. Im Grundlagenfach Konstruktion seien die Gruppen von 30 Studenten zu einem Seminar mit 122 Hochschülern zusammengelegt worden.<BR><BR>Gegen die Missstände wollen die Studenten in der eigens gegründeten Initiative "FHI - FH-Insolvenz" aktiv werden. Ihre Bitte um ein Gespräch mit dem Finanzminister blieb bislang ungehört. Und Thomas Goppel vertröstete sie schon drei Mal. Ein Gespräch soll es nun im April geben.<BR><BR>Einfallsreich geben sich indes einige Professoren. Unter lautem Beifall verkündete Kortstock, er werde Studenten in den Abschluss-Semestern ihre Zeugnisse unter Umständen mit dem Vermerk ausstellen, dass Pflicht-Seminare wegen der Sparmaßnahmen ausfallen mussten.<BR></P>

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