Karlsruhe erlaubt G20-Protestcamp - aber stark eingeschränkt

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"Die Flut verändert das Leben der Menschen"

- "Knapp 20 Minuten überflutete das Meer die Fischerhütten von Chinna Mudaliyar Chavadi, einem kleinen Fischerdorf an der Ostküste Indiens und zerstörte sie komplett", berichtet der Ethnologe Professor Matthias Laubscher (LMU). Er selbst befand sich, als der Tsunami kam, etwa 250 Meter entfernt vom Dorf in seinem Haus auf einer höheren Düne.

<P> "Die Kinder, die am Strand spielten, rannten schreiend ins Dorf und warnten die Bewohner vor dem ansteigenden Wasser, so konnten die meisten Menschen rechtzeitig flüchten." Doch das Wasser zerstörte das Dorf und machte erst vor Laubschers Haus Halt.</P><P>Der Südostasienexperte ist sich sicher, dass die Flut einschneidende Veränderungen in den betroffenen Regionen bringen wird. "In den indischen Fischerdörfern bestand durch zahlreiche Eheschließungen untereinander ein gutes soziales Netz. Man half sich in Notfällen gegenseitig", sagt Laubscher, der dort ethnologische Forschungen betreibt. "Jetzt sind alle von der Katastrophe betroffen und gegenseitige Hilfe ist nur schwer möglich."</P><P>Ein Umdenken finde auch bei den Fischern statt. "Viele sind der Meinung, dass ihre Kinder eine bessere Bildung erhalten und andere Berufe erlernen sollen, damit sie bei erneuten Unglücken ihre Verwandten unterstützen können", erklärt der Ethnologe.</P><P>Für den Wiederaufbau des Dorfes hat Laubscher ein Hilfsprojekt gestartet. In der Dorfschule wurden bis jetzt 420 Kinder von zwei Lehrerinnen unterrichtet. Nach dem Unglück wurden bereits zwei weitere Lehrerinnen eingestellt.</P><P>In Thailand werden sich künftig vor allem die Baugewohnheiten ändern, ist sich Laubscher sicher. "Man wird Hotels nicht mehr so nahe ans Meer bauen, und kleinere Häuser vielleicht ähnlich wie auf den Malediven auf Stelzen errichten." Stelzen könnten zwar keinen Tsunami abfedern, aber bei kleineren Überflutungen den Schaden erheblich verringern.</P><P>"Auch in Indonesien im Raum Aceh wird die Katastrophe Veränderungen bringen", meint Laubscher. "Direkt am Meer haben traditionell die armen Leute gewohnt. Denn man weiß dort um die Gefahren, die vom Ozean ausgehen können und bevorzugt das Hinterland." An den Küstenstreifen gebe es vor allem Slums. "Dieser Trend wird sich nach dem Tsunami noch verstärken, die Armut an den Küsten wird weiter zunehmen", befürchtet Laubscher.</P><P>In Laubschers Fischerdorf Chinna Mudaliyar Chavadi fand jetzt wieder das erste Fest nach dem Unglück statt. "Die Menschen betrachten ein Fest als eine Art Vertrag", erklärt er, "denn was dort beschlossen wird, verpflichtet die Leute zum Handeln." Der Wiederaufbau der zerstörten Lehmhäuser hat schon begonnen. "Doch es bleibt in den nächsten Jahren noch sehr viel zu tun."</P><P>Prana-Hilfsprojekt für das Dorf Chinna Mudaliyar Chavadi: Kto: 655 861 459, BLZ: 700 202 70, Hypovereinsbank. Internet: www. linkhilfe.de, oder www. ethnolog.de</P>

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