Ministerpräsident Sellering tritt von allen Ämtern zurück

Ministerpräsident Sellering tritt von allen Ämtern zurück
+
Weg vom Netz: Internetnutzer tun ab zu gut daran, sich selbst abzukoppeln. Foto: Matthias Hübner

Digitale Enthaltsamkeit - Pausen vom Internet tun gut

Berlin (dpa/tmn) - Das Internet befriedigt die menschlichen Bedürfnisse nach Information, Unterhaltung und Nähe zu anderen Menschen. Klingt perfekt. Doch seiner Gesundheit zuliebe sollte man sich auch Auszeiten von der digitalen Welt gönnen.

Immer mehr durchdringt die digitale Welt die reale und fesselt unsere Aufmerksamkeit. Schon jeder Zweite hierzulande hat nach Zahlen des IT-Verbandes Bitkom sein Smartphone immer dabei und damit auch Zugriff aufs Internet. Ein Drittel der Deutschen geht in jeder freien Minute online. Vier von fünf Internetnutzern sind in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet und jeder fünfte Arbeitnehmer nutzt ein Dienst-Smartphone seines Arbeitgebers als mobiles Büro.

"Das Internet befriedigt ein menschliches Bedürfnis nach Bindung und Bezug", erklärt Sabria David die Anziehungskraft des Internet. "Es hilft, Distanzen zu überwinden und lässt Gemeinschaft entstehen." Zwar sei das Netz ein Schriftmedium, funktioniere aber nach den Regeln der Mündlichkeit. "Im Internet stehen die Menschen wie in einem Gespräch zusammen", beschreibt die Leiterin des Slow Media Instituts in Bonn den Effekt.

Dem Sog, der dadurch entsteht, muss man sich aber auch entziehen dürfen. "Unsere körperliche Organisation ist auf den Wechsel von Spannung und Entspannung angelegt", sagt David. "Wir brauchen Pausen." Das Digitale erfordere deshalb das Elernen neuer Kulturtechniken. Beispiel E-Mail: Man dürfe nicht der Versuchung erliegen, jede Mail gleich zu öffnen, zu lesen und zu bearbeiten wie einen Brief, der nur einmal täglich kommt. "Denn die Mails treffen ja ständig ein", sagt David. Man müsse sich häufiger sagen: "Ich könnte sie öffnen, aber ich tue es nicht." Sabria David sieht also kein Problem in der Technik selbst, sondern nur im Umgang mit der Technik. Dieser müsse verantwortlicher und bewusster werden.

Teilweise oder ganze digitale Enthaltsamkeit kann von Programmen unterstützt werden. Sie heißen etwa Breath, Time Out oder Workrave und zeigen dem Nutzer an, wann er eine Pause bei der Bildschirmarbeit einlegen sollte. Das soll auch vor Mausarm (Repetitive Strain Injury) und müden Augen (Computer Vision Syndrome) schützen.

Die App Offtime dagegen schränkt für selbst gewählte Zeiträume Anrufe, Benachrichtigungen, E-Mails und SMS ein. Auch Anwendungen, die der Nutzer als Versuchung empfindet, kann die App blockieren. Bei der Arbeit lassen sich Kontaktaufnahmen von Freunden und Familie ausfiltern, in der Freizeit Ansprachen von Kollegenseite.

Die Arbeitspsychologin Annekatrin Hoppe von der Humboldt-Universität in Berlin hat untersucht, wie Offtime wirkt. Dafür wurde das Verhalten von 49 Probanden über zwei Wochen analysiert. In der ersten Woche wurde die normale Smartphone-Nutzung erfasst, in Woche zwei nutzten die Testpersonen Offtime mindestens zwei Stunden am Tag. "Tatsächlich konnten die Versuchspersonen besser abschalten und waren am nächsten Tag engagierter bei der Arbeit", sagt Hoppe.

Generell sei es gut, in der Freizeit den Bezug zur Arbeit zu reduzieren, sagt die Psychologin. Eine extrem intensive Smartphonenutzung gehe mit Stress einher. Das zeige etwa die Untersuchung der beiden niederländischen Psychologen Daantje Derk und Arnold Bakke. Sie stellten fest, dass sich Angestellte heute verpflichtet fühlen, auch in der Freizeit auf berufliche Nachrichten zu antworten. "Das Smartphone sorgt dafür, dass die Arbeit mit nach Hause genommen wird." Diese Vermischung gehe mit körperlichen und psychischen Belastungen, Erschöpfung und schlechtem Schlaf einher.

"Das Ziel muss sein, mit dem Smartphone bewusster umzugehen", sagt Annekatrin Hoppe. "In der Freizeit sollte es okay sein, nicht immer erreichbar zu sein." Dazu gehöre aber auch eine Unternehmenskultur, die Arbeitnehmern Auszeiten zugesteht.

Genau so eine Kultur versucht Sabria David zu etablieren, wenn sie als Beraterin in Unternehmen geht. "Vorgesetzte haben eine Vorbildrolle. Sie müssen wissen, was es auslöst, wenn sie sonntags eine E-Mail schicken." Zum digitalen Arbeitsschutz gehörten nicht nur klare Regeln zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit, sondern auch Maßnahmen zum Eindämmen der E-Mail-Flut.

Die Verantwortung liegt aber auch beim Einzelnen. David rät zu einer reflektierten statt zu einer reflexhaften Nutzung digitaler Medien. Dazu gehöre, sich dem Strom der Nachrichten bewusst zu entziehen und das Verpassen zu lernen. "Viele Menschen beschleicht ein Gefühl des Versagens, wenn sie nicht alles mitbekommen", sagt die Beraterin. Vollständigkeit sei aber ein falsches, weil unerreichbares Ziel. Wenn es um Mitteilungen geht lautet ihr Tipp: "Erst denken, dann senden." Und auch den einen oder anderen Kontakt abzulehnen, gehöre dazu.

Studie zur Nutzung von Smartphones und den Zusammenhang mit Burn Out von Daantje Derk und Arnold B. Bakke (eng.)

Offtime herunterladen

Workrave herunterladen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Diesen Fehler beim Laden des Handy-Akkus begeht fast jeder
Berlin - Handy-Akkus sind empfindliche Geschöpfe. Sie leeren sich zu schnell, gehen kaputt und haben ihre eigenen Regeln. Wer diese jedoch beachtet, kann das Beste aus …
Diesen Fehler beim Laden des Handy-Akkus begeht fast jeder
Smartphone-Speicher und Festplatten richtig löschen
Wer Speichermedien nur löscht, lässt mitunter viele wertvolle persönliche Daten auf ihnen zurück. Damit diese nicht in falsche Hände geraten, müssen ausrangierte …
Smartphone-Speicher und Festplatten richtig löschen
Falsche Drittanbieter-Forderungen: So wehren Sie sich
Fünf Euro für ein Klingelton-Abo? Und 2,99 Euro für einen Download, an den sich niemand erinnert? Solche Posten tauchen immer wieder in Mobilfunkrechnungen auf und …
Falsche Drittanbieter-Forderungen: So wehren Sie sich
ARM kündigt Chip für künstliche Intelligenz an
Smartphones und andere mobile Geräte werden bald viel besser Aufgaben künstlicher Intelligenz bewältigen können. Dafür sollen neue Chipdesigns von ARM sorgen. Und Apple …
ARM kündigt Chip für künstliche Intelligenz an

Kommentare