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Mit immer günstigeren Mobilfunktarifen werben Discounter um Kunden. Doch auch super schnelle Netze sind gefragt. Foto: Peter Kneffel

Discounter - Zugmaschinen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt

Rundumversorgung lautet die Strategie der großen Telekom-Konzerne: Festnetz, Mobil, Internet und TV - alles aus einer Hand. Doch viele Kunden schielen weiterhin auf das Billigsegment im Mobilfunk. Und so bleiben die Discounter auf dem Vormarsch.

Köln (dpa) - Als vor gut zehn Jahren erstmals die Marken Tchibo mobil und Simyo in der deutschen Mobilfunklandschaft auftauchten, wurden sie noch belächelt: Doch die Discounter haben die Branche aufgerollt und sich mit Billigangeboten einen festen Platz erobert.

Zugleich sorgten die Discounter für einen bis dahin nie gekannten Preissturz. Für sechs Cent pro Gespräch oder knapp 13 Euro pauschal im Monat in alle Netze telefonieren, SMS verschicken und ein begrenztes Datenvolumen pro Monat herunterladen - das ist heute keine Seltenheit mehr.

"Durch die Mehrmarkenstrategie können wir unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Marktsegmente bedienen", sagt Ralf Opalka von Telefónica O2. Das Unternehmen beziehungsweise sein fusionierter Partner E-Plus gehören zu den Pionieren auf dem Discountmarkt. Auch in Zukunft setze Telefónica auf eine Mehrmarkenstrategie. Damit widerspricht der kundenstärkste Anbieter in Deutschland immer wieder aufkeimenden Gerüchten, wonach der Zusammenschluss das Ende vieler Marken bedeuten würde. Tatsächlich aber sorgt das Discountsegment für Wachstum in einer Branche mit starkem Verdrängungswettbewerb.

So hatte das Tarifvergleichsportal teltarif.de unlängst die Quartalszahlen der Mobilfunkriesen genauer unter die Lupe genommen und kam zu dem Schluss: Das Wachstum der Kundenzahlen, das die Unternehmen verbuchten, sei zu einem großen Teil ihrer Discountmarken zu verdanken beziehungsweise den Anbietern, die Kapazitäten der Netzbetreiber unter eigenen Marken an die Kunden weitervertreiben.

Solche Anbieter sind unter anderem Freenet und Drillisch. Beide gehören zu den größeren Discountern und Wiederverkäufern. Freenet ist mit 12,4 Millionen Kunden klar der größere von beiden, wobei der reine Discount-Anteil bei 3 Millionen liegt. Die hessische Drillisch mit rund 2,3 Millionen Kunden profitierte aber stark von der Fusion zwischen Telefónica O2 und E-Plus.

So übernahm das Unternehmen aus Maintal vor gut einem Jahr 20 Prozent der Netzkapazitäten von Telefónica, die das Unternehmen im Zuge des Zusammenschlusses abgeben musste. Im Mai dieses Jahres kamen 300 Shops von Telefónica hinzu. Mit der Zusammenschaltung der Netze von Telefónica und E-Plus erhält der Discounter außerdem einen direkten Zugriff auf die schnelle LTE-Technik. "Drillisch ist der einzige Anbieter, der über die gleichen Möglichkeiten verfügt wie Telefónica", freut sich Firmensprecher Peter Eggers.

Auf superschnelle Netze würde Martin Knauer auch gerne zugreifen können, wenn er dürfte. Der Marketing-Experte ist Chef des Kölner Discounters Congstar, das zur Deutschen Telekom gehört und mit 3,5 Millionen Kunden inzwischen zu den großen Spielern im Billigsegment aufgestiegen ist. Doch die Telekom wie auch Vodafone reservierten die superschnelle mobile Datenautobahn für ihre direkten Kunden, um sich von der Billigkonkurrenz abzugrenzen und höhere Preise zu rechtfertigen, sagt teltarif-Sprecher Falko Hansen.

Grund dazu haben sie allemal: Denn inzwischen ist der Anteil der Handynutzer, die bei einem Billiganbieter sind, weiter kräftig gestiegen. Und das knabbert an den Renditen. Sven Ehrmann, Telekom-Experte des Vergleichs-Portals Verivox, schätzt den Anteil auf ein Drittel. Zu diesem Bereich zählt er sowohl Wiederverkäufer, Discounttöchter der Netzbetreiber wie auch Supermarktangebote.

Bei den Preisen gibt er erst einmal Entwarnung, entgegen aller Prophezeiungen, die im Zusammenhang der Großfusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt geäußert wurden. "Der Wettbewerb ist in Deutschland nach wie vor stark genug, um Preisanstieg zu verhindern". Ob das aber langfristig so bleibt, ist unklar. Denn der Datenhunger der Handynutzer erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur und das kostet viel Geld.

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