"Dopingmittel" EPO kann Schizophrenie-Patienten helfen

- Göttingen - Das als Dopingmittel für Ausdauersportler berüchtigte EPO (Erythropoietin) hilft gegen einige Folgen von Schizophrenie. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Max- Planck-Instituts für experimentelle Medizin und des DFG- Forschungszentrums Molekularphysiologie des Gehirns in Göttingen.

Die regelmäßige Gabe von EPO verbessere die geistigen Leistungen von Schizophrenie-Kranken erheblich, berichteten die Institute am Freitag. Denn EPO rege nicht nur - wie bei gedopten Sportlern beabsichtigt - die Bildung roter Blutkörperchen an. Es habe auch eine Schutzfunktion für Nervenzellen. Die Studie ist vom Fachjournal "Molecular Psychiatry" online veröffentlicht worden.

Erstmals sei die positive Wirkung von EPO bei chronischer Schizophrenie nachgewiesen worden, sagte eine Sprecherin der Forschungseinrichtungen. Die kognitiven Leistungen der Patienten hätten sich erheblich verbessert, nachdem sie über drei Monate hinweg einmal wöchentlich mit der Substanz behandelt worden seien.

Weltweit sind nach Angaben der Göttinger Forscher etwa ein Prozent der Bevölkerung von Schizophrenie betroffen. Die Patienten leiden unter Verfolgungswahn, Halluzinationen und sozialem Rückzug, aber auch unter dem Verlust kognitiver Fähigkeiten. Sie werden unaufmerksam, haben Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten, vorausschauend zu planen und den Alltag zu bewältigen.

Der Verlust dieser Fähigkeiten deute darauf hin, dass Schizophrenie zumindest teilweise auf den Abbau oder den Verlust von Nervenzellen zurückzuführen sei, sagte Prof. Hannelore Ehrenreich vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin. Dieser so genannten Neurodegeneration könne EPO entgegen wirken. Alle anderen für Schizophrenie typischen Symptome dagegen veränderten sich durch die EPO-Gabe nicht.

Das oft als Dopingmittel missbrauchte Erythropoietin ist nicht ungefährlich: Eine unkontrollierte EPO-Anwendung kann sogar zum Tod führen. Es kommt zu einer Verdickung des Bluts und damit zu einer erhöhten Gefahr für Thrombosen, Kollaps und Infarkt.

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