Doppelhelix enthüllt Geheimnis des Lebens

- München - Die Gäste der Kneipe "Eagle" in der britischen Universitätsstadt Cambridge waren die ersten, die am 28. Februar vor 50 Jahren mit einer der folgenreichsten wissenschaftlichen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts konfrontiert wurden - der Struktur des menschlichen Erbguts.

<P>Den Schlüssel des Lebens hätten sie soeben entdeckt, hatte gerade aufgeregt der ältere der beiden skurrilen Stammgäste, der 36-jährige Francis Crick verkündet. Der andere Stammgast, der 24-jährige James D. Watson, hätte wohl lieber in Ruhe sein Bier getrunken und ohne Zeugen über seinen Entwurf vom Aufbau des menschlichen Erbguts (DNA) als einer spiralförmig gedrehten "Wendeltreppe" nachgedacht, deren Stufen jeweils aus zwei Bausteinen (Aminosäuren) bestehen. Die Entdeckung war in ihrer Tragweite zunächst noch gar nicht abzusehen.<BR><BR>Die Doppelhelix, das wissen wir heute, hat die Biologie revolutioniert, denn auf ihr basiert eine ganz neue Wissenschaft, die Molekularbiologie und mit ihr die moderne Gentechnologie.<BR><BR>Grundstein für Gentechnik<BR><BR>Neun Jahre nach ihrer Entdeckung erhielten die beiden Wissenschaftler den Medizin-Nobelpreis - gemeinsam<BR>Crick und Watson legten mit Maurice H.F. Wilkins. Der hatte nämlich, wiederum gemeinsam mit Rosalind E. Franklin, die entscheidenden Vorarbeiten geleistet: es handelte sich um Röntgenbilder der DNA. Sie zeigten eine Struktur ähnlich zweier umeinander gewundener Ketten.<BR><BR>Umstritten ist bis heute, ob Wilkins der verdiente dritte Preisträger war (mehr als drei für eine Sparte lassen die Nobel-Statuten nicht zu, im Übrigen war Rosalind Franklin bereits 1958 an Krebs gestorben). "Franklin hat mit Sicherheit die entscheidende Röntgenaufnahme gemacht, Wilkins die Technik dazu erarbeitet", betont Ernst Peter Fischer, Wissenschaftshistoriker an den Universitäten Konstanz und Basel. Er schildert spannend und für Laien gut verständlich die Geschichte der Entdeckung in seinem Buch "Am Anfang war die Doppelhelix", das gerade im Ullstein Verlag München erschienen ist.<BR><BR>Nur wenige Menschen außerhalb der biochemischen Forschungslabors nahmen 1953 Notiz von der Entdeckung der Erbgutstruktur, die am 25. April im Fachjournal "Nature" veröffentlicht wurde. Dabei lag das Thema in der Luft: Viele Wissenschaftler arbeiteten an der Struktur von biologisch wichtigen Molekülen. Von der DNA (deutsch: DNS = Desoxyribonukleinsäure) wusste man schon, dass sie aus Nukleotiden bestand, aus denen sich lange Ketten bilden lassen. Bekannt war auch, dass die DNA-Moleküle fadenförmig sein mussten. Der Chemiker Linus Pauling war dann der erste, der in das Molekül-Bild (er arbeitete jedoch mit Proteinen, also Eiweißmolekülen) die Idee einer Helix einbrachte.<BR><BR>Spiralen kommen überall in der Natur vor. Und so griff Watson Paulings Idee auf, als er in dem Labor von Cambridge mit seinem Zimmerkollegen diskutierte.<BR><BR>Angeblich wegen ihrer lautstarken Dauerdiskutiererei hatte man Watson und Crick zusammen in ein Labor gesteckt, damit sie andere nicht mehr so nervten. Keine zwei Jahre brauchten die beiden, bis sie wussten, wie das Erbgut aufgebaut ist. Statt chemische Experimente durchzuführen, hatten sie laut nachgedacht, hatten Röntgenbilder analysiert und Modelle auf der Basis neuer Erkenntnisse anderer Forscher gebaut. Bekannt war bereits, dass das Erbgut jeweils gleich viele Teile der Bausteine (Basen) A (Adenin), T (Thymin), G (Guanin) und C (Cytosin) enthielt. </P><P>Nun kamen Watson und Crick auf die Idee, die Bausteine zu Sprossen zu verbinden und sie in die (nach Franklins Röntgenbildern) gewundenen Ketten aus Zucker und Phosphat zu hängen. Die Doppelhelix war geboren - und damit der Weg zu einem neuen Denken.</P><P>Ernst Peter Fischer: "Am Anfang war die Doppelhelix"<BR>Ullstein Verlag, München<BR>165 Seiten <BR>22 Euro<BR>ISBN 3-550-07566-9.<BR></P>

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