Die Dosis macht das Gift

- Aspirin gegen Kopfschmerzen, Nasenspray bei Schnupfen und Abführmittel bei Verstopfung. Viele rezeptfreie Pillen in der Hausapotheke haben unerwünschte Nebenwirkungen oder machen schnell abhängig. So zeigen neueste Studien: Paracetamol schädigt die Leber bereits in geringeren Dosen als bisher angenommen.

Das Schmerz- und Fiebermittel Paracetamol ist eines der Medikamente, die weltweit am häufigsten geschluckt werden. Doch sollte man das Risiko einer zu hohen Dosis nicht unterschätzen. Wissenschaftler haben im Medizin-Journal "The Lancet" vier Studien ausgewertet und fanden heraus, dass der Wirkstoff bereits ab einer Dosis von vier Gramm pro Tag die Leber angreift.

Dass Paracetamol die Leber schädigt, ist längst bekannt

"Dass Paracetamol in hohen Dosen die Leber schädigt, ist schon seit 40 Jahren bekannt", sagt der Leiter der Klinischen Pharmakologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Professor Dr. Stefan Endres. In den USA nehmen sich viele mit dem Schmerzmittel das Leben, weiß der Mediziner. Ab acht Tabletten täglich wird das Medikament für Erwachsene laut der Studie zum Gift. Petra Obermeier von der "Apotheke in der Postbank" in der Münchner Paul-Heyse-Straße empfiehlt ihren Kunden, "nicht mehr als drei Mal täglich zwei Tabletten" Paracetamol einzunehmen.

Nicht so schnell zum Gift wird das ebenfalls rezeptfrei erhältliche Aspirin. Doch auch die Kopfschmerztablette sollte mit Vorsicht genossen werden. "Ich rate den Patienten von Aspirin ab, wenn sie bereits blutverdünnende Mittel einnehmen", sagt Obermeier. Denn der Wirkstoff Acetylsalicylsäure hemmt die Blutgerinnung. "Bei einer Operation kann das gefährlich werden. Es droht Blutverlust", sagt Endres. "Die Leute vergessen bei der Frage ,Nehmen Sie noch andere Medikamente?‘ meist die rezeptfreien Mittel, die sie noch schlucken." Wer Aspirin langfristig überdosiert, riskiert außerdem Schäden in der Magenschleimhaut bis hin zu Magengeschwüren. Als Maximaldosis empfiehlt Obermeier sechs Tabletten à 500 Milligramm täglich.

Für unbedenklich halten der Mediziner und die Pharmazeutin indes die häufig verwendeten schleimlösenden Mittel, Halstabletten oder Cremes gegen Hautpilzerkrankungen. Ein Nachteil bleibt jedoch immer: Der Apotheker muss sich auf die Diagnose des Laien verlassen. "Deswegen im Zweifelsfall lieber erst zum Arzt gehen, statt gleich in die Apotheke", rät Endres.

Echte "Problemkinder" im Apothekenregal seien dagegen die Nasensprays. "Der Anwender gerät schnell in einen Teufelskreis aus schwindender Wirkung und höherer Dosis", sagt Endres. Selbst Schniefnasen sollten diese Sprays laut Obermeier nicht länger als sieben Tage anwenden. Sonst droht eine Abhängigkeit, für die es bereits einen Namen gibt: Privinismus, ein Schnupfen, der erst durch Nasenspray ausgelöst wird. Die Schleimhäute schwellen an statt ab. Das Nasenspray muss immer öfter eingesetzt werden, um frei atmen zu können. "Es gibt viele, die sich öfter Nasensprays holen, als sie es bräuchten", so Obermeier. "Ich rate den Süchtigen dann immer, erst auf Kinderspray umzusteigen, dann auf Säuglingsspray und schließlich nur noch Kochsalzlösung zu benutzen."

Abführmittel können dem Körper Kalium entziehen

Ein ähnlicher Teufelskreis droht bei längerer Einnahme von Abführmitteln. Zunächst leidet der Körper unter Kaliummangel, weil das lebenswichtige Mineral mit ausgeschieden wird. Häufige Symptome sind laut Endres Müdigkeit oder Herzrhythmusstörungen. Irgendwann reagiert der Darm schließlich nur noch auf das Abführmittel. Er wird träge. Die Dosis muss erhöht werden. Statt gleich zum Abführmittel zu greifen, raten die beiden Münchner Experten deshalb zu ballastreicher Nahrung und viel Bewegung.

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