Drei imposante Zeugen griechischer Kultur

- Johann Wolfgang von Goethe fand 1787 die einstige griechische Kolonie Poseidonia, die heute unter dem römischen Namen Paestum bekannt ist, so faszinierend, dass er sie in seinen italienischen Reiseberichten als "beeindruckender als Pompeji selbst" schildert.

<P>Mitten in einer Sumpfebene, rund 100 Kilometer südlich von Pompeji, erheben sich heute noch drei monumentale grie-chische Tempel - Überreste einer blühenden griechischen Kolonialkultur, bevor die Römer sie in ihr Imperium eingliederten. Außer den dorischen Tempeln, die sich mit denen in Sizilien messen können, sind weitere Ruinen aus griechischer und römischer Zeit einen Besuch unbedingt wert.</P><P>Die Geschichte der griechischen Kolonien in Süditalien beginnt im 11. Jahrhundert vor Chr. In Griechenland änderten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Nachteil eines großen Teils der Bevölkerung. Viele Griechen wanderten aus. Eine der ersten Neugründungen der Kolonisten waren die beiden Städte Cumae und Napolis in Kampanien, im Jahre 1030 vor Christus. Um das Jahr 700 vor Chr. folgten dann weitere Kleinkolonien in Unteritalien. Agrigent in Sizilien, Kroton und Sybaris am Golf von Tarent, Poseidonia am heutigen Golf von Salerno.</P><P>Allen Siedlungen der Griechen war der städtische Charakter gemeinsam - und es gab auch in allen religiöse Zentren. Die Entwicklung Poseidonias geht zurück auf die Gründung der gesamten Region "Magna Graecia". Als Herkunftsstadt der Poseidonier gilt Sybaris an der Adria, in Kalabrien. Die Kolonie am Selefluss, die mit ihrem Namen den Meeresgott Poseidon ehrte, gegründet um das Jahr 600 v. Chr., blühte sehr bald auf, vor allem wegen ihrer günstigen Lage. Handelswege aus den italischen Regionen und den ionischen Küstengebieten kreuzten sich dort.</P><P>Um 400 v. Chr. eroberten die italischen Lukaner Poseidonia und nannten es Paistom. Sie lebten danach friedlich mit den Griechen zusammen. 273 vor Chr. besetzten die Römer die Stadt und nannten sie Paestum. Ihre Bürger galten nun als "socii navales", die Rom bei Gefahr mit Schiffen und Matrosen beistehen mussten. Paestum erlebte eine zweite Blütezeit: Der Handel mit Rom boomte, neue Gebäude wurden errichtet: das Amphitheater, das Forum, das Gymnasium.</P><P>Zwei Gründe besiegelten das Ende von Paestum: Zum Einen das ungesunde Klima. Da die Bewohner neben dem Handel vom Schiffsbau lebten, hatten sie den Baumbestand so dezimiert, dass die Flüsse Salso und Sele die Ebene in ein Sumpf-gebiet verwandelten, in der die Malaria grassierte. Rom war der zweite Grund: Die Händler der Metropole nutzten für den Handel mit dem Orient zunehmend die Küste der Adria - Paestum lag plötzlich abseits der Handelswege. Von Friedrich II. wurde die Stadt zuletzt zerstört.</P><P>900 Jahre blieb sie in den Sümpfen vergessen, bis 1748 beim Straßenbau die Ruinen entdeckt wurden und Archäologen anlockten. Die drei großen Tempel in Paestum sind trotz ihrer Bekanntheit nur sehr unzureichend wissenschaftlich erforscht. Heute arbeiten Spezialisten der italienischen Soprintendenza Archeologica delle Provincie di Salerno und des Instituts für Bauforschung und Baugeschichte der Technischen Universität München (TUM) an der architekturgeschichtlichen Einordnung der Tempel. Clemens Voigts vom Institut: "Wir wollen eine neue, unverklärte kunsthistorische Sichtweise für Paestum entwickeln."</P>

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