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Dünndarm ersetzt eine verätzte Speiseröhre

- Jasmin war 13 Monate alt, als ihr Vater versuchte, sie umzubringen. Er schüttete eine scharfe Reinigungslauge in den Hals seiner Tochter - die Flüssigkeit tötete das kleine Mädchen zwar nicht, aber sie zerfraß die Speiseröhre. Retten konnten die Kinderchirurgen Jasmin nur durch eine Magensonde, die durch die Bauchdecke führte. Jahrelang wurde das Kind sondenernährt.

Während der brutale Vater im Gefängnis saß, musste Jasmin immer wieder Eingriffe zur Aufdehnung der Speiseröhre über sich ergehen lassen, denn die Verätzungen sorgten für dicke Vernarbungen und Verengungen in der obersten Verdauungspassage. "Man gewöhnt sich an die Bougierung für die Aufdehnung und auch an die Sonde", wischt Jasmin tapfer viele durchweinte Tage und Nächte weg. Ihrem Vater verzeiht sie ihre Qualen nicht. "Es gibt für mich nur noch meine Mutter und meinen Bruder."

Das Leben des Kindes war nie ein ganz normales. Immer wieder zur Bougierung ins Krankenhaus, "da wird ein Ballon durchs Endoskop geschoben und dann aufgeblasen". Sie bekam einen "Bougi-Lift" mit Faden, so konnte sie schon als Kindergartenkind selbst am Ballon ziehen. Doch wenigstens lernte sie endlich auch, weiche Nahrung herunterzuschlucken.

Als Jasmin 13 Jahre alt war, wurde ihr im Uniklinikum Frankfurt das vernarbte Speiseröhrenstück herausgenommen, der Magen hochgezogen, an den Reststumpf angenäht und eine stützende Röhre aus feinem Maschendraht (Stent) zur Dauerdehnung an die Nahtstelle eingeführt. Nach dem Eingriff wurde sie für Tage in ein künstliches Koma versetzt. Als alles verheilt war, ging es Jasmin endlich besser. Gegen die Abhängigkeit von Ärzten wehrte Jasmin sich auf ihre Weise. Sie verliebte sich und wurde schwanger.

"Da war es dann bald wieder aus mit dem Bougieren, ich bekam wieder eine Magensonde. Bis mein Junge geboren war. Danach haben sie mich gelasert", sagt Jasmin mit einem Lächeln. Es gilt nicht der Lasertherapie, sondern dem Kind, das von ihrer Mutter versorgt wird.

Denn Jasmin musste wieder in die Klinik. Diesmal kam sie ins Klinikum rechts der Isar in München. Warum? "Weil mein Hausarzt mich hierher geschickt hat, nachdem es wieder Komplikationen gab." Der Stent war verrutscht. "Der ist durch die Speiseröhre gebrochen. Zuerst hat mir ja niemand geglaubt, als ich Schluckprobleme bekam. Aber dann haben sie die Löcher beim Röntgen gesehen."

Der Stent in der Speiseröhre verletzte die Luftröhre so schwer, dass bei dem Mädchen ein Luftröhrenschnitt gemacht und eine Luftröhrenplastik eingesetzt werden musste. Die Lunge war durch eingeatmete Speisereste schwer entzündet, weshalb die Speiseröhre zunächst durch einen zweiten Stent abgedichtet wurde. Wochen auf der Intensivstation folgten. Als die Lunge verheilt war, wurde der Rest der Speiseröhre entfernt und als Ersatz ein Stück von Jasmins Dünndarm eingesetzt. Fast eine Routineoperation für das eingespielte Ärzteteam in der Chirurgischen Klinik von Prof. Jörg Rüdiger Siewert. Schon mehr als 1000 Patienten erhielten dort eine Speiseröhrenersatzplastik.

Jasmin hat endlich alles hinter sich. Auch die Luftröhrenplastik. Die Luftröhrenwand ist mit Eigengewebe verschlossen worden. "Jetzt will ich mich daheim um meinen Buben kümmern und meinen Hauptschulabschluss machen." Jasmin hat wieder Freude am Leben.

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