Dürre führte zum Untergang der Maya

- Klimaveränderungen haben nach neuen Forschungen im 9. Jahrhundert nach Christus das Ende des alten Mayareiches in Mittel- und Südamerika besiegelt. In der Zeit der Maya-Hochkultur gab es blühnde Städte mit Pyramiden und Observatorien und einer den ägyptischen Hyroglyphen ähnlichen Bilderschrift.

Vielleicht wäre das kulturelle Erbe der Maya-Zivilisation für alle Zeit verloren gegangen, hätten nicht inmitten des Urwalds der Halbinsel Yucatan (gehört zu Mexiko, Guatemala, Belize) Pyramiden, Paläste, Keramikprodukte und Schrifttafeln dem Zahn der Zeit getrotzt. Die Ruinen der Maya-Kultur im Tiefland Yucatans erzählen von einer friedliebenden, mit der Natur im Einklang stehenden Zivilisation, die eine Sensibilität für den Sternenhimmel hatte und wohl deshalb ein effizientes Kalendersystem schuf, die das Ballspiel und eine höchst komplizierte Schrift erfand, aber Ende des 9. Jahrhunderts - auf dem Höhepunkt ihrer Blütezeit - aus der Geschichte verschwand.

Die heutigen Erben der Mayas sind einfache Bauern, die eine eigene Sprache, aber keine Schriftsprache haben. Außerdem lebt tief im Regenwald an der Grenze zu Guatemala, fern der Zivilisation das kleine Volk der Lacandones neben noch nicht ausgegrabenen Ruinen.

Als die ersten Tempelruinen in Süd-Mexiko und Guatemala ausgegraben wurden, bewunderten die Archäologen die Architektur und die farbenprächtigen Fresken an den Wänden. Doch mit den phatasievollen Reliefs und mysteriösen Inschriften auf den Monumenten konnten sie wenig anfangen.

Erst als die Mayaschrift langsam entziffert wurde - ab 1994 konnten Maya-Forscher 80 Prozent der Zeichen lesen und verstehen - zeigte sich die Maya-Gesellschaft von einer höchst kriegerischen Seite, mit blutigen Ritualen und grausamen Kriegen. Daraus folgerte mann, dass der Niedergang des Maya-Reichs das Resultat langer kriegerischen Konflikte gewesen war.

Doch nun haben Klimaforscher am GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich herausgefunden, dass vor allem Natur-Gewalten zum Ende des Reiches führten. Gerald Haug von der ETH, der die Studie leitete, ist überzeugt, dass der Untergang der einstigen Hochkultur durch lange Dürreperioden ererfolgte. Im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (Vol. 299, Nr. 5613) zeichnen er und seine Kollegen ein präzises Bild der klimatischen Rahmenbedingungen während der klassischen Maya-Kultur und ihres Kollapses im 9. Jahrhundert nach Christus.

Bei geochemischen Untersuchungen des Titanium-Gehalts der Sedimente im Cariaco-Becken vor der Küste Venezuelas hatten sie nachgewiesen, dass im nördlichen Südamerika im 8. und 9. Jahrhundert Trockenperioden herrschten.

Titanium wird bei starken Niederschlägen verstärkt aus dem Erdboden gespült und zugleich ins Meer weitergeleitet, wo es sich im Ozeanboden ablagert. Die Titaniummessdaten stellen somit ein genaues Klimaarchiv dar, das die jährliche Variabilität des Klimas der Region widergibt und damit eine Abschätzung des direkten Einfluss des Klimas auf dem Lebensraum in Yucatan zulässt.

Die Geowissenschaftler sind sicher, dass am Ende der Hochblüte das Klima sehr stark auf die Maya-Kultur einwirkte. Damals lebten auf der Halbinsel Yucatan mehrere Millionen Menschen.

Sie wohnten in großen Städten und hatten gewaltige Umweltprobleme, etwa die Bodenerosion, was unter anderem immer wieder zu Nahrungsengpässen führte. Während der archäologisch gut beschriebenen Phase des Kultur-Niederganges gingen die Niederschläge stark zurück. Drei dramatische Trockenperioden von jeweils drei bis neun Jahren im Zeitraum um 810, 860 und 910 nach Christus gaben dem Maya-Reich den Rest.

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