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Ein ausgeliehenes E-Book wird auf einem sogenannten E-Reader angezeigt

Neue Konzepte sollen helfen

E-Books bringen Buchhändler in Not

Berlin - Bücher werden immer häufiger online bestellt oder gleich im E-Format gelesen. Überall haben die klassischen Buchhändler zu kämpfen. Auch in Deutschland machen große Ketten ihre Filialen zu.

Wird es bald keine Buchläden mehr geben? Immer mehr Händler geben auf. Zuerst lieferte der weltgrößte Onlinehändler Amazon kostenfrei nach Haus, jetzt machen die elektronischen Bücher den Gang zum Buchhändler um die Ecke überflüssig. Wohin die Reise geht, zeigt sich schon schmerzhaft in den USA. Dort zog jüngst US-Branchenprimus Barnes & Noble die Reißleine: Firmenchef Mitchell Klipper kündigte an, dass er wohl jede dritte seiner zuletzt noch 700 Filialen binnen zehn Jahren schließen muss.

In Deutschland haben es vor allem Branchenschwergewichte wie Thalia und Weltbild/Hugendubel schwer. Als zu unrentabel erweisen sich die riesigen Buchtempel, für die in attraktiven Innenstadtlagen hohe Mieten gezahlt werden müssen. Kunden machen um die Glaspaläste immer mehr einen Bogen. Die angeschlagene Douglas-Tochter Thalia setzt daher ihren Schrumpfkurs weiter fort. Allein in diesem Jahr werden noch mal vier Filialen schließen - in Trier, Köthen, Bonn und Bremen. Bereits zum Jahresbeginn wurden Läden in Wuppertal, Dortmund, Bischofswerda und Berlin aufgegeben.

"Amazon ist das Maß der Dinge"

„Wo gestern noch Weltbild, Hugendubel oder die Mayersche die wichtigsten Wettbewerber von Thalia waren, ist jetzt Amazon das Maß der Dinge“, diagnostizierte Douglas-Vorstandschef Henning Kreke bereits im vergangenen Jahr. Zuletzt schrumpfte der Umsatz bei Thalia um 2,1 Prozent auf 915 Millionen Euro. Derzeit wird eine Neuausrichtung vorangetrieben. In zwei bis drei Jahren soll sie abgeschlossen sein. Dann könnte die Buchhandelskette auch für einen möglichen Käufer attraktiv genug sein.

Der neue Thalia-Kurs sieht Teil-Vermietungen und Shop-in-Shop-Partnerschaften vor. Außerdem werden mehr Spielwaren, Spiele und Geschenkartikel in die Regale gestellt. Auch der Online-Vertrieb wird gerade aufgepeppt. In rund 300 Geschäften verkauft Thalia Bücher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gerade mal 14 Prozent des Umsatzes wird derzeit im Internet erzielt.

Auch Hugendubel schloss im vergangenen Jahr drei Filialen, so in Berlin und München. Eine weitere Berliner Buchhandlung soll Anfang 2014 dichtmachen. Gleichzeitig werden Läden verkleinert, modernisiert, aber auch neu eröffnet. Außerdem wird der Multichannel-Umbau vorangetrieben. Konzept sei, die Kunden dort abzuholen, wo sie sind, betont die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel. Diese wollten nicht nur im Internet kaufen, sondern „schätzen nach wie vor das Einkaufserlebnis in unseren Buchhandlungen.“

„E-Books sind eine Multimilliarden-Dollar-Kategorie"

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels fürchtet, dass sich die Konzentration in der Branche fortsetzen wird. Von den derzeit knapp 7000 Buchhandlungen werden weitere verschwinden. Im vergangenen Jahr seien die Umsätze im stationären Geschäft um 3,7 Prozent zurückgegangen. Weltweit betrachtet sei Deutschland aber noch ein recht stabiler Markt. „Die Entwicklung ist hier anders als in den USA oder Großbritannien“, betont Sprecherin Claudia Paul. Es seien auch Neugründungen zu beobachten. Chancen hätten die Läden mit besonderen Konzepten und guter Beratung. „Kompetenter Gesprächspartner zu sein, wird immer wichtiger.“

In den USA ist die Situation schon allein wegen der fehlenden Buchpreisbindung eine andere. Der Wandel vollzieht sich dort viel drastischer. Mit Borders hatte bereits 2011 die zweitgrößte US-Buchhandelskette pleite gemacht: 400 Läden verschwanden auf einen Schlag, 10.700 Menschen wurden arbeitslos. Getrieben wird die Entwicklung von der zunehmenden Verbreitung von Tablet-Computern, auf denen sich elektronische Bücher leicht lesen lassen. „Wir sehen nun den Wandel, den wir erwartet haben“, erklärt Amazon-Chef Jeff Bezos. „E-Books sind eine Multimilliarden-Dollar-Kategorie für uns und sie wächst schnell - etwa 70 Prozent im vergangenen Jahr.“

Mit diversen Kampagnen wehren sich Buchhändler immer wieder gegen die Amazon-Konkurrenz. Mit „Buy local“ werben sie in Deutschland seit vergangenen Sommer. Auch in Großbritannien und den USA weisen sie auf ihre Vorzüge hin: Wer im „Laden nebenan“ kaufe, trage zum Umweltschutz bei, wenn Verpackung gespart und Transporte vermieden werden, heißt es in Aufrufen.

dpa

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