Eine Blume gegen die Vogelgrippe

- München - Eine Blume vom Mittelmeer schützt möglicherweise gegen die tödliche Vogelgrippe. Der Extrakt der graubehaarten Zistrose beugt offenbar gegen das gefährliche Virus H5N1 vor. Das haben Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts in Tübingen nachgewiesen. Wie Tests zeigten, verhindert der Pflanzen-Extrakt, dass die Grippeviren in Zellen eindringen.

Extrakt hemmt die Vermehrung von H5N1

Der immergrüne Strauch mit den rosafarbenen Blüten, der auf kargem Boden am Mittelmeer blüht, ist ein uraltes Heilmittel. In der Antike wurde die Zistrose als Heilkraut verwendet. So trinkt man auf den griechischen Inseln schon seit Jahrhunderten aus ihr gewonnenen Erkältungs-Tee. Auch Zistrosen-Öl und -Harz werden als Naturheilmittel gegen Bakterieninfektionen verwendet.

Auf der Suche nach dem Wirkstoff fanden Forscher eine enorme Vielfalt an pflanzlichen Phenolen, die Entzündungen hemmen und Krebs vorbeugen können. Offenbar machen sie die Blume zu einer hochwirksamen Heilpflanze. Erwiesen ist das allerdings noch nicht. Fest steht indes: Extrakt ist nicht gleich Extrakt. Die Zusammensetzung und damit die Wirkung hängt stark von der Erntezeit, der Zistrosen-Art sowie dem Extraktionsverfahren ab.

Wie neue Untersuchungen zeigen, wirkt der Extrakt einer bestimmten Art (botanischer Name Cistus incanus ssp. tauricus) auch gegen Grippeviren. Bereits der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster führte Tests mit Vogelgrippeviren vom Typ H7N7 durch. Ergebnis: Der Extrakt des Mittelmeer-Strauchs verringert deren Vermehrung erheblich. Die Tübinger Forscher testeten jetzt auch die Wirkung auf Viren des H5N1-Stamms.

Die Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts behandelten Zellen aus der menschlichen Lunge mit unterschiedlichen Konzentrationen des Extrakts und infizierten sie mit Viren. In den behandelten Zellen reduzierte sich deren Vermehrung drastisch. Am stärksten war die Wirkung, wenn die Zellen vor der Infektion behandelt worden waren. "Offenbar verhindert der Extrakt, dass die Viren an der Zelle andocken", sagte Oliver Planz vom Institut bei der Münchner Pressekonferenz des "Komitee Forschung Naturmedizin".

Doch nicht nur als Vorbeugung ist das Cistus-Präparat möglicherweise wirksam. "Auch nach einer Infektion kann die Substanz verhindern, dass die Vermehrung in die zweite und dritte Runde geht", sagte Planz.

Der Forscher setzt große Hoffnungen auf das neue Mittel. "Eine neue Wirkstoffgruppe ist dringend nötig." Denn die Pandemie durch die gefährliche Vogelgrippe wird kommen, da seien sich die Wissenschaftler einig. Die bereits verfügbaren Mittel aber zeigten Nebenwirkungen und erzeugten resistente Viren. Selbst die Gruppe der Neuraminidase-Hemmer führten nach neusten Erkenntnissen bald zu Resistenzen. Anders der Cistus-Extrakt: Hier konnten keine Viren gefunden werden, die gegen die Substanz immun waren.

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