Eine Diamanthaut soll den Stahl noch mehr härten

- Zukunftsorientierte Forschung, die sich im Ergebnis auch wirtschaftlich verwerten lässt, das ist das Ziel der Bayerischen Forschungsverbünde, von denen es derzeit 18 gibt. Zusammengeschlossen sind sie in der abayfor, der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Forschungsverbünde; gefördert werden sie zum Teil von der Bayerischen Forschungsstiftung, zum Teil vom Wissenschaftsministerium. Wir stellen die Verbünde vor, weil in ihnen gezielt die Hochschulforschung unterstützt wird. Heute: FORCARBON.

<P>Von Wissenschaftlern wird er ebenso geschätzt wie von Schmuckliebhabern: der Diamant. Nicht das Funkeln des Edelsteins reizt die Forscher, sondern seine extreme Härte. Diamantschichten auf stählernen Bauteilen oder Werkzeugen könnten deren Lebensdauer deutlich erhöhen und sie vor Verschleiß schützen. Wie sich Stahl mit Diamant beschichten lässt, das ist eine der Fragen, denen der Forschungsverbund für Werkstoffe auf der Basis von Kohlenstoff (FORCARBON) nachgeht.<BR><BR>Bisher gelingt das Beschichten noch nicht, wie FORCARBON-Sprecher Professor Robert F. Singer von der Universität Erlangen-Nürnberg sagt. "Wir müssen erreichen, dass sich der Kohlenstoff als Diamant niederschlägt und nicht als Ruß oder Graphit", erläutert der Werkstoff-Spezialist. Derzeit werden Verfahren zur Vorbeschichtung des Stahl erprobt. Auf dieser Schicht könnte später die Diamanthaut haften.<BR><BR>Die Forscher von FORCARBON - hauptsächlich Chemiker und Physiker - beschäftigen sich außerdem mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Kohlenstoffs. Aus dem chemischen Element lassen sich zahlreiche Werkstoffe herstellen, die sehr leicht und gleichzeitig äußerst stabil sind.<BR><BR>So wiegen etwa Auto-Bremsscheiben aus Kohlenstoff-Werkstoffen viel weniger und verschleißen weniger schnell als gewöhnliche Bremsscheiben. "Die Kosten dafür sind heute aber noch astronomisch", so Singer. Deshalb wird in dem Forschungsverbund nach Verfahren gesucht, die Werkstoffe günstiger herzustellen. "Außerdem soll die Langzeit-Stabilität verbessert werden", berichtet Singer.<BR><BR>Gefördert wird FORCARBON durch die Bayerische Forschungsstiftung und zahlreiche Industriepartner. Der seit Januar 2003 existierende Forschungsverbund arbeitet mit mehr als 20 Unternehmen zusammen, darunter Firmen wie der Chip-Hersteller Infineon oder Daimler-Chrysler. <BR><BR>Das Interesse der Unternehmen erklärt Singer damit, dass vor allem die Forschungsbereiche Diamantbeschichtungen und Verbundwerkstoffe außerordentlich anwendungsorientiert seien. Grundlagenforschung findet dagegen im dritten Forschungsfeld des Verbunds statt, in dem es um Kohlenstoff-Sondermorphologien geht. "Das ist unser futuristischster Bereich", so Singer.<BR><BR>Sonderformen des Kohlenstoffs sind zum Beispiel Nano-Röhren. Durch ihre röhrenförmige Struktur ist diese Form des Kohlenstoffs sehr stabil. Außerdem können die Röhren als Elektronen-Leiterbahnen mit geringem Widerstand eingesetzt werden. Denkbar wäre es, dass sie in Zukunft als Bausteine für Computer Verwendung finden. "Doch hier geht es im Augenblick nicht um konkrete Produkte", so Singer, "wir erforschen noch die grundsätzlichen Eigenschaften dieser Röhrchen."<BR> </P><P>Mehr Informationen gibt es unter: www.abayfor.de/forcarbon</P>

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