Eine gute Idee allein reicht nicht zum Erfolg

- Genf/Hamburg - Die Chance war groß: Jahrelang hatte in nahezu jedem Computer ein Disketten-Laufwerk den Dienst verrichtet. Anfangs waren 5,25 Zoll-Disketten, später 3,5 Zoll-Laufwerke der Stand der Technik. Mit einer Kapazität von 1,44 Megabyte (MB) hatten sie allerdings irgendwann nicht mehr genug Platz für die immer großer werdenden Dateien.

<P>Als legitimer Nachfolger der handlichen Speichermedien drängten daher 1995 die Zip-Laufwerke von Iomega auf den Markt. Mit einer Kapazität von 100 MB schienen sie die Zukunft vor sich zu haben - eine Fehleinschätzung, wie sich heute zeigt.<BR><BR>"Die Idee und der Zeitpunkt waren gut durchdacht", erinnert sich Klaus Baasch, Testingenieur und Redakteur bei der in München erscheinenden Fachzeitschrift "Chip" an das Aufkommen der Zip-Laufwerke. Ein Pluspunkt der Zip-Speicher sei zum Beispiel ihre einfache Bedienbarkeit. "Zip-Laufwerke können wie Disketten und Festplatten per Drag & Drop beschrieben und gelöscht werden", führt Michael Schwend vom Hersteller Iomega in Genf aus. </P><P>Dazu biete das Produkt eine höhere Sicherheit gegen Datenverlust durch Verschmutzung und Kratzer als vergleichbare Datensicherungssysteme.<BR><BR>Die Laufwerke, die auch als externe Geräte erhältlich sind, können laut Schwend zudem per schneller USB-2.0- oder Firewire-Verbindung an den jeweiligen Rechner angeschlossen werden. "Wer mit Zip-Laufwerken entsprechende Medien beschreiben will, braucht kein Brennprogramm bedienen können", sagt er. Dies sei aber bei jedem Schreibvorgang bei CD-Brennern dagegen notwendig. Außerdem arbeiteten Zip-Laufwerke beim Schreiben und Lesen mit der gleichen Geschwindigkeit.<BR><BR>Dennoch steht die Zip-Technologie heute im Schatten der silbernen Speicherscheiben wie DVD und CD-ROM. Denn nach der Markteinführung der Technologie versuchte Iomega mit strikter Lizenzpolitik, die Früchte der Arbeit zu ernten. Das war offenbar ein Fehler, denn es sorgte für eine nur eingeschränkte Verbreitung eines Produkts, dessen Kapazität durch die technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre bis heute auf 750 MB gewachsen ist.<BR><BR>Der entscheidende Hemmschuh gegenüber CD und DVD sei der hohe Preis, sagt Klaus Baasch von "Chip". Das 750-MB-Zip-Laufwerk ist derzeit für rund 170 Euro erhältlich. Zip-Medien kosten rund 14 Euro. CD-Rohlinge sind mittlerweile für 30 Cent im Handel erhältlich. "Wenn ein CD-Brennvorgang fehl schlägt, ist das nicht weiter tragisch", so Baasch. Allein die erhöhte Datensicherheit der Zip-Medien gleiche dies nicht wieder aus.<BR><BR>Die Nachfrage ist daher sehr gedämpft: "Die Zip-Technologie wird von unseren Kunden kaum noch nachgefragt", sagt Petra Täubel vom Computerhersteller Dell in Langen bei Frankfurt am Main. Nur die Bestandskunden orderten weiterhin Zip-Medien und Laufwerke nach. Die schlechte Situation der Zip-Laufwerke wird bei Dell besonders deutlich: Der Hersteller hat die herkömmlichen Diskettenlaufwerke mittlerweile aus der Standardkonfiguration seiner Desktoprechner entfernt und als Ersatz keine Zip-Laufwerke eingebaut, sondern den Kunden zeitweilig kostenlose USB-Speicher-Sticks angeboten.<BR><BR>An den USB-Eingang (Universal Serial Bus) eines Computers angeschlossen, werden USB-Sticks entsprechend einer Diskette gehandhabt. Zudem können sie durch ein Passwort geschützt werden wie Zip-Disketten. Die Speicherkapazität der USB-Sticks reicht mittlerweile bis zu einem Gigabyte (GB) und kann bei aktuellen Betriebssystemen ohne zusätzlichen Treiber genutzt werden.<BR><BR>Ein weiterer Anwärter um die Nachfolge des Disketten-Laufwerks hat sich somit seinen Platz auf dem Markt ergattert. Und wie schon Mitte der neunziger Jahre scheint hier ein leistungsfähiges Datenspeichersystem für die Zukunft gut gerüstet. </P>

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