Eine kunstvolle Sauerei

- Es ist wie der Mensch ein Allesfresser, hat eine rosige Haut und gleicht ihm - wie Thomas Mann im "Felix Krull" berichtet - im nackten Zustande weitaus mehr als seinen äffischen Vorfahren. Dennoch blieb das Schwein aus dem hehren Reich menschlicher Kunst bisher weitgehend verbannt.

"Eine Schweinerei" - fand Klaus Schönitzer, Entomologe in der Zoologischen Staatssammlung. Mit der Ausstellung "Sus scrofa picta" will er dem Vierfüßler den ihm gebührenden Platz einräumen.

In den weiten Gängen der Forschungsstätte zeigt sich das Schwein in allen Lebenslagen. Mal realistisch im Gruppenbild, mal verschmitzt äugelnd im Porträt, mal tanzend, trinkend und musizierend als quietschpinker Cartoon. In einer Tonne à` la Diogenes liegt "sus philosophicus", "susyphos" wälzt einen Fels einen Hang hinauf, in einer Kiste mit Farben räkelt sich "Pigcassow". Die Bilder stammen aus dem Pinsel der Germeringer Malerinnen Gerlinde Doerfler und Constanze Wagner. Ihre schweinischen Bilder hingen bereits im Jexhof-Museum und im Bauernhausmuseum Amerang. Für die Zoologische Staatssammlung sind zahlreiche neue Bilder der Künstlerinnen dazugekommen.

In die Kunstgeschichte bricht das Schwein in den Zeichnungen von Rudolf Seitz. Die Zeichnungen des ehemaligen Präsidenten der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Berühmte Werke der Kunstgeschichte von antiken Marmorskulpturen über Botticellis "Geburt der Venus" bis zu Munchs "Der Schrei" tragen überraschend Rüssel. Humorige Verslein ergänzen die Karikaturen: "Das arme Schwein war drunter nackt, drum hat der Christo es verpackt", erklärt ein gezeichneter Kommentator ein zugeschnürtes Paket. Zu haben sind die Zeichnungen gesammelt in dem kleinen Band "Auch ein armes Schwein möcht mal Mona Lisa sein", der gerade in neuer Auflage erschienen ist.

Auch die Zoologie trägt ihren Teil zur Ausstellung bei. Eine Vitrine zeigt Schädel von Pinselohr- und Warzenschwein. In den Gängen stehen Skelette von Schweinswal und Erdferkel. Selbst Ferkelkröte, Meersau und das Kleinschwein, eine Seegurkengattung, sind dabei.

"Saugut, aber nicht schweinisch", befand der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel, der vergangenen Freitag die Ausstellung eröffnete. Zufrieden lächelte auch der Hausherr Gerhard Haszprunar. Er sieht durchaus Gemeinsamkeiten von Kunst und zoologischer Grundlagenforschung: "Bei beidem geht es nicht um das nackte Nützlichkeitsdenken", sagt er. "Es geht um Neugier, Kultur und Wohlbefinden."

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