Eine neue Geißel der Menschheit betritt die Bühne

- München - Die Sorge kommt schleichend. Von Juni 1981 an häufen sich in den USA unerklärliche Berichte über seltene Krankheiten. Die Seuchenbehörde verzeichnet fünf Fälle einer extrem seltenen Lungenentzündung. Deren einzelliger Erreger Pneumocytis carinii infiziert für gewöhnlich nur Patienten, deren Immunsystem durch Krebs oder starke Medikamente unterdrückt ist. Jetzt aber benötigen gleich fünf junge Homosexuelle das Spezialmedikament Pentamidin. Es ist nur über die Behörden zu bekommen und wurde zwischen 1967 und 1979 nur zwei Mal benötigt.

<P>Gleichzeitig mehren sich bei Schwulen in den Staaten New York und Kalifornien Kaposi-Sarkome - eine bis dato rare Krebsart. Auch ein bösartiger Krebs des Lymphgewebes nimmt zu. Eine Gemeinsamkeit der mysteriösen Fälle wird schnell klar: Das Immunsystem der Patienten ist schwer beschädigt. Ihnen fehlen die T4-Zellen, mit denen Eindringlinge im Blut erkannt und deren Abwehr koordiniert werden. 1982 geben Mediziner den Erscheinungen einen neuen Namen: Acquired Immune Deficiency Syndrome - Aids. In den nächsten 20 Jahren könnten rund 70 Millionen Menschen daran sterben, schätzen die UN heute.</P><P>Erste Erklärungsversuche nahmen an, dass das Immunsystem der Patienten durch den Kontakt mit fremden Proteinen oder Sperma beim homosexuellen Geschlechtsverkehr zusammenbrach. Die beiden Virenforscher Luc Montagnier (Frankreich) und Robert Gallo (USA) suchten hingegen nach einem neuen Erreger für das Syndrom. Vor 20 Jahren, am 20. Mai 1983, erschienen die Studien ihrer beiden Gruppen gleichzeitig im Fachblatt "Science".</P><P>Der Amerikaner hatte 1980 das erste menschliche Virus jener Klasse gefunden, zu der auch HIV (Human Immunodeficiency Virus) zählt: die Retroviren. Ihre Erbsubstanz besteht aus RNA, einem nahen Verwandten der DNA des Menschen. Mit einem Enzym, der Reversen Transkriptase, können sie RNA aber in DNA wandeln - und später fest ins menschliche Erbgut einbauen. Gallo hatte erkannt, dass das Virus "HTLV-I" eine seltene, sehr bösartige Krebserkrankung hervorruft. Er hielt ein Retrovirus auch für die wahrscheinlichste Ursache von Aids.</P><P>Weitere wichtige Erkenntnisse lieferte Luc Montagnier am Institut Pasteur in Paris. Schließlich gelang der Nachweis, dass Proben von 48 Erkrankten oder Angehörigen von Risikogruppen das gleiche Virus enthielten. Gallo und Montagnier stellten fest, dass die Labors der beiden Forscher "zu ungefähr gleichen Teilen zu dem Nachweis beigetragen haben, dass ein neues menschliches Retrovirus die Ursache von Aids ist".</P><P><BR> </P>

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