Wie man einer Reisethrombose vorbeugen kann

- Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und wieder reisen viele Bundesbürger in entlegene Gebiete der Erde. Je länger jedoch die Flüge sind, desto mehr Stress bringen sie auch mit sich - vor allem stundenlanges Verharren auf engen Sitzen kann für Reisende zum medizinischen Problem werden.

<P>Mangelnde Bewegung behindert bei Langstreckenflügen leicht den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen. Hinzu kommt bei beengtem Sitzen, dass die Venen in Kniekehle und Leiste abgeknickt werden. Außerdem fehlt die Möglichkeit zur Anspannung der Beinmuskeln, die beim Gehen den Blutstrom fördert. </P><P>Fachärzte raten deshalb zu Vorbeugungsmaßnahmen gegen das Risiko einer Reisethrombose, die auch "Economy- Class-Syndrom" genannt wird (da die Sitze in der Economy- Klasse viel enger als in Business und First Class bemessen sind). Eine Thrombose kann sich aber auch bei langen Autound Busfahrten entwickeln. </P><P>Zur Thrombose des tiefen Venensystems der Beine kann es kommen, wenn bereits Risikofaktoren für eine Thromboseentwicklung existieren. Neben dem langen, unbeweglichen Sitzen unter beengten Platzverhältnissen ist in Flugzeugen auch die geringe Luftfeuchtigkeit an Bord zu beachten, die bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr zur Bluteindickung führen kann. </P><P>Dann kann sich ein Gerinnsel in den tiefen Beinvenen bilden. Wenn sich das Gerinnsel löst und über das Blut in die Lunge gelangt, kann es zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie kommen. </P><P>reilich erkrankt nicht jeder nach beengtem, langem Sitzen an Thrombose. In einer 2003 veröffentlichten Studie der Universitätsklinik Dresden hatten von etwa 1000 untersuchten Flugpassagieren knapp drei Prozent im Anschluss an einen mindestens achtstündigen Flug eine tiefe Beinvenenthrombose. Immerhin: Ein Prozent der Kontrollgruppe, die nicht geflogen war, wies ebenfalls ein Gerinnsel in den Beinvenen auf. </P><P>"Das Risiko, nach einem langen Flug an einer Lungenembolie zu sterben, ist also sehr gering", so Professor Ulrich Hoffmann, Leitender Arzt des Gefäßzentrums am Innenstadt- Klinikum der LMU München. Erforscht werde noch, wie weit die geringe Luftfeuchtigkeit und der niedrige Druck in der Flugzeugkabine auch das Entstehen einer Beinvenenthrombose begünstigen könnten. </P><P>Thrombosegefährdet sind vor allem Menschen, die bereits eine Thrombose oder eine Lungenembolie hatten", betont Professor Wolfram Theiss, Gefäßspezialist am Klinikum rechts der Isar der TU München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Zu weiteren Risikofaktoren gehören: Herzerkrankungen, chronische Venenschwäche, schwere Krampfaderleiden, bösartige Tumore, eine Blutgerinnungsstörung, eine kurz zurückliegende Operation. </P><P>Den Arzt zu Rate ziehen sollten auch Frauen, die rauchen und die Pille nehmen oder ein Hormonersatzpräparat, außerdem Frauen in der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung. Zu den allgemeinen Risikofaktoren zählen außerdem ein Alter über 60 und starkes Übergewicht. </P><P>Um einer Beinvenenthrombose vorzubeugen, sollte jeder Reisende bestimmte Verhaltenstipps beachten. "Für alle Flugzeugpassagiere ist regelmäßige Bewegung wichtig", betont Professor Wolfgang Schramm, Blutgerinnungsspezialist an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Jede Stunde sollte man ein paar Minuten umherlaufen, das kurbelt den Blutfluss in den Beinen an." </P><P>Ist dies im Flugzeug nicht möglich, sei eine regelmäßige Bein- und Zehengymnastik ratsam. Außerdem sollte man unbedingt viel trinken, so Schramm: "Aber keinen Alkohol, Kaffee oder Tee, denn die fördern noch den Harndrang und trocknen aus." </P><P>Eine Zeit lang verabreichten Ärzte Risikopatienten vor einem langen Flug eine Heparinspritze. "Um einer Reisethrombose vorzubeugen, spritzen wir heute nur noch in Ausnahmefällen niedermolekulares Heparin", sagt Theiss. Denn als mögliche Nebenwirkung können Blutungen auftreten. </P><P>Der Angiologe empfiehlt: "Hochrisikopatienten, zum Beispiel mit chronischer Venenschwäche oder vorangegangener Thrombose, sollen während des Fluges Kompressionsstrümpfe tragen." Die Strümpfe komprimieren die oberflächlichen Beinvenen, was den Blutfluss durch die tiefen Gefäße erhöht. </P><P>Neuerdings sind auch Stützstrümpfe auf dem Markt, die von der Deutschen Lufthansa empfohlen werden. Der Hersteller wirbt damit, dass das Berliner Klinikum "Charité" die Strümpfe getestet hat. </P><P>Professor Karl Kirsch vom Institut für Physiologie an der Charité hatte für den Test, bei dem er durch Vibration eine Wasseransammlung in den Beinen erzeugte, 20 Probanden eingeladen: mal mit, mal ohne Stützstrümpfe. "Hatten die Testpersonen 24 Stunden lang die Stützstrümpfe getragen, waren ihre Beine nach der Vibration dünner", sagt Kirsch. </P><P>Die Frage, ob statt Kompressionsstrümpfen auch bequemere Stützstrümpfe genügen, beantwortet Professor Theiss deutlich: "Stützstrümpfe, die aus dünnerem Material als Kompressionsstrümpfe sind, nützen generell zur Vorbeugung einer Reisethrombose wenig. Thrombosegefährdete sollten vor Langstreckenflügen immer ihren Arzt um Rat fragen." </P>

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