Einhörner aus dem Morenland

- Ganz überzeugt war Conrad Gesner selbst nicht von allen seinen Darstellungen der Tierwelt. Als der Schweizer Universalgelehrte im Jahr 1551 sein vierbändiges Werk "Historia animalium" veröffentlichte, schrieb er zwar kritisch über das Einhorn in der Fauna, streitet aber die Existenz des Fabelwesens auch nicht völlig ab: Zwar gäbe es niemanden, der das Tier in Europa je gesehen habe. Dennoch glaubt Gesner, dass es lebt: "Sonst wären seine Hörner nicht vorhanden." Er folgert streng wissenschaftlich, dass "Indien, Arabien oder Morenland" sie erzeugen müsse.

Beschreibung der Tierwelt aus dem Jahr 1545

Im Jahr 1545 nahm sich Gesner vor, die gesamte Tierwelt seiner Zeit zu dokumentieren und zu beschreiben. Sechs Jahre später veröffentlichte er dann sein opulentes Gesamtwerk, die "Historia animalium". Das Werk umfasst vier Bücher und ist insgesamt rund 3300 Seiten stark. Jetzt zeigt die Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München in ihrer Ausleihhalle im Erdgeschoss (Geschwister-Scholl-Platz 1) dieses frühe Lexikon der Lebewesen.

Gesner ordnete in seinem Kompendium die Tierwelt nach den lateinischen Namen. Er beschrieb die meisten europäischen Tiere, wie Rinder oder Schafe, detailgenau und lebensecht. Ganz anders sah es hingegen bei exotischen Vertretern aus, die er selbst nie gesehen hatte. Er kannte sie nur aus Erzählungen oder übernahm sie einfach von Naturkundigen, die schon zuvor das Tierreich beschreiben hatten. So erreicht die Giraffe beinahe Turmhöhe - vergleicht man sie mit ihrem zwergenhaften Führer. Ihr Fell erstrahlt leuchtend pink.

Die meisten der damals gedruckten Bücher der Ausgabe "Historia animalium" erschienen damals in Schwarz-Weiß. Einige Ausgaben jedoch wurden nachkoloriert. In insgesamt 13 Schaukästen in der LMU-Universitätsbibliothek kann man die farbigen Tierdarstellungen bewundern.

Auch in das Leben des rastlosen Naturforschers erhält man Einblick: Geboren wurde er als Sohn armer Eltern in Zürich. Nach dem Abschluss seines Studiums wurde er erst einmal Professor für griechische Sprache, dann wurde er Professor für Medizin und allgemeine Naturwissenschaften an der Universität Lausanne.

Gesners Liebe galt auch der Pflanzenwelt

Doch Gesner war nicht nur an der Fauna seiner Zeit interessiert. Seine große Liebe galt der Botanik. Akribisch sammelte er Pflanzen und ließ sich seltene Exemplare von überall auf der Welt schicken. Ähnlich wie bei seinem Werk über die Tierwelt wollte er auch das Pflanzenreich in einem umfangreichen Werk katalogisieren. Doch dazu kam es nicht mehr. Kurz nachdem er mit seinem Werk "Historia plantarum" begonnen hatte, starb er im Jahr 1565 an der Beulenpest, die er zuvor als Arzt bei vielen Erkrankten behandelt hatte.

Sein früher Tod verwehrte ihm das zu schaffen, was schließlich im 18. Jahrhundert Carl von Linné vollbrachte: Eine vollständige Systematik des Pflanzenreichs.

Ausstellung: Conrad Gesners "Thierbuch" im Erdgeschoss der Unibibliothek der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, bis 13. Oktober; Öffnungszeiten: Mo-Do: 9 bis 19 Uhr, Fr. 9-17 Uhr. Eintritt frei.

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