Ein Einhorn als Sinnesorgan

- Jahrelang rätselten die Meeresbiologen weltweit, wozu Narwale die markanten Fortsätze auf ihren Köpfen benötigen. Jetzt hat Martin Nweeia von der US-amerikanischen Harvard Medical School herausgefunden, was die Wale mit den Stoßzähnen an ihren Köpfen anfangen.

Sie dienen den Tieren als Sensoren. Mehr als zehn Millionen Nervenbahnen laufen in ihnen zusammen. Obwohl die Zähne auf den ersten Blick starr erscheinen, arbeiten sie wie eine Membran mit einer sensiblen Oberfläche. "Damit können die Tiere Veränderungen der Wassertemperatur, des Drucks und die Konzentration chemischer Substanzen, wie etwa den Salzgehalt, analysieren", meint Nweeia. "Die Veränderung des Salzgehalts dient den Walen als Orientierungshilfe in den arktischen Gewässern."

Die Stoßzähne der Narwale können bis zu 2,5 Meter lang werden. Sie gelten unter den Meeressäugern als einzigartig und haben den Tieren den Namen "Einhörner der Meere" eingebracht. Sie sind spiralig gewunden und asymmetrisch an den Köpfen angewachsen. Nicht jeder Narwal hat einen solchen Fortsatz. Viele Männchen besitzen ihn, aber auch einige Weibchen.

Doch die hochentwickelten Sinnesorgane dienen nicht nur zur Orientierung, sondern auch zum Fischfang. "Sie erlauben den Walen, Partikel im Wasser zu registrieren, die von Fischen stammen", sagt Nweeia. "Damit können die Tiere die Verfolgung von Beute aufnehmen und die Fische auch erfolgreicher jagen."

Im Tierreich waren solche Zähne als Sinnesorgane den Wissenschaftlern noch nicht bekannt. Jetzt wollen die Forscher die einzigartigen Stoßzähne als Vorbild für medizinische Anwendungen nutzen. "Die Stoßzähne sind flexibel und widerstandsfähig zugleich", sagt Martin Nweeia. "Mit unseren neuen Erkenntnissen verbessern wir unsere Zahnersatzmaterialien."

Lexikon aktuell:

Narwale

Narwale sind Meeressäuger und leben in arktischen Gewässern. Ihren markanten, in sich gedrehten Stoßzähnen verdanken sie den Namen "Einhörner der Meere". Narwale werden bis zu fünf Meter lang und können zwei Tonnen schwer werden. Die Tiere sind heute geschützt, es gibt noch rund 45 000 von ihnen.

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