Das Einkaufen der Zukunft: Mit Handy und Fingerabdruck

Tönisvorst - Der Einkaufszettel ist weg und das Portemonnaie vergessen - kein Problem im Supermarkt der Zukunft. Die Einkaufsliste ist im Handy gespeichert und zum Bezahlen reicht der Fingerabdruck.

Der drittgrößte Handelskonzern der Welt, die Düsseldorfer METRO-Gruppe, hat als Weltneuheit für den Einzelhandel am Mittwoch das Einkaufen mit dem Handy vorgestellt. 100 Test-Kunden sollen künftig im neuen "real-Einkaufsmarkt der Zukunft" in Tönisvorst bei Düsseldorf mit der Handy-Kamera die Waren selbst einlesen und dann zur Selbstzahlerkasse gehen.

"Das Einkaufen wird damit schneller, besser, effizienter", sagt Metro-Chef Eckhard Cordes. Mit dem Einsatz des Handys als digitalem Helfer und von den anderen neuen Technologien erhofft sich der Konzern nicht nur neue und zufriedene Kunden, sondern auch erhebliche Kostensenkungen - nicht nur für die kriselnde METRO-Tochter real.

Der Handyeinsatz wird am Wurstregal demonstriert: Die Kamera des Mobiltelefons wird auf den Strichcode an der Ware gerichtet und schon erscheinen Preis und Produktinfo im Display. Ist der Einkauf abgeschlossen, wird die Summe errechnet und auf dem Display in einem Strichcode angezeigt. Der wird unter einen Laserscanner gehalten. Der Kunde bezahlt dann mit Karte oder dem zuvor hinterlegten Fingerabdruck. Ohne die Waren aus dem Einkaufswagen zu nehmen und ohne Warteschlange kann der Käufer den Laden verlassen - so das Szenario.

Wenn die Verbraucher sich überzeugen lassen, dem Verkaufspersonal auf diese Weise die Arbeit abzunehmen, befürchten Experten der Gewerkschaft ver.di, dass Hunderttausende Stellen im Einzelhandel auf dem Spiel stehen. Personal ist dann an den neuen Terminals nur noch für Zufallsstichproben notwendig, um zu kontrollieren, dass die Kunden auch alles bezahlen.

Dabei ist das Handy nur eine Zwischenlösung. Denn die Rundfunkfrequenz-Chips sind weiter auf dem Vormarsch. Diese RFID- Technologie präsentierte der Konzern vor fünf Jahren in seinem ersten Zukunftsmarkt im nordrhein-westfälischen Rheinberg. Seither haben die sogenannten RFID-Chips bei der METRO die Lagerhaltung revolutioniert, nun sieht man sie auch in den Tiefkühltruhen auf dem Frischfleisch.

Dort signalisieren sie dem Fleischer den Bestand und das auslaufende Mindesthaltbarkeitsdatum. So soll künftig genauer die Nachfrage erfüllt und teure Überproduktion verhindert werden. Aber der große Durchbruch, der Einsatz der "Smart Chips" auf jedem Artikel, steht noch aus. Wenn es soweit ist, muss der Kunde die Waren nur noch in den Einkaufswagen legen und durch ein Gate schieben.

Zurzeit hat die Metro weltweit 280 000 Mitarbeiter - bei 64 Milliarden Euro Umsatz. In der Zukunftsmarktinitiative des Konzerns Metro tüfteln 80 Unternehmen als Forschungskonsortium an der schönen neuen Warenwelt mit. Am Mittwoch kamen auch Telekom-Chef René Obermann und SAP-Chef Henning Kagermann, um sich die Resultate anzusehen - begleitet von einem kleinen Roboter namens "Roger".

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