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Mit der elektronischen Gesundheitskarte auf dem Weg der Besserung

- Wie kontrovers die elektronische Gesundheitskarte auch diskutiert wird, für chronisch Kranke kann die Transparenz persönlicher Daten Besserung versprechen. Denn Ärzte können mittels elektronischer Akten den Patienten bald schon maßgeschneiderte, engmaschige Therapiemöglichkeiten bieten: Der Arzt weiß durch die elektronische Akte sofort, was wann wo und warum an Medikamenten verabreicht wurde. Kommt etwa ein Patient mit einem Druckgeschwür am Fuß zum Hautarzt, weiß dieser gleich, dass er auch nach einem diabetischen Problem fahnden sollte.

<P>Während auf diversen Internetforen von einer "Totalkontrolle des Bürgers" die Rede ist und entwürdigende Schicksale prophezeit werden: "Augen- und Ohrenarzt bekommen Einblick ins Sexualleben", bedeutet das Wissen persönlicher Daten in der Diabetologie die Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten. Vor allem in der Prävention. Darauf verwies Professor Eberhard Standl, Präsident der deutschen Diabetes-Union (München), bei einer Fachtagung. Standl mahnt die Dringlichkeit der Diabetesvorsorge besonders an: Er schätzt, dass um 2010 mindestens zehn Millionen Bundesbürger zuckerkrank sein werden. Eine bittere Vorhersage, denn chronische Erkrankungen sind teuer. </P><P>Patientendaten, die online einsehbar geführt werden, könnten dem abhelfen: So hat das Diabeteszentrum Bad Oeynhausen ein Betreuungskonzept aufgesetzt, in dem Jugendliche eigene wichtige Gesundheitsdaten per E-Mail an das Zentrum senden. Online erhalten sie Antwort, zur Veränderung ihrer Insulindosis etwa, Tipps zum psychosozialen Umfeld gibt`s inklusive. Dieses "Monitoring" wie das laufende Überwachen von Patientendaten auf Neudeutsch heißt, ist im digitalen Zeitalter rund um die Uhr durchführbar. </P><P>Die Diabetiker geben auch nichtmedizinische Daten ein. Wie wichtig die Gesamtbeurteilung des Alltags eines Patienten sein kann, zeigt eine Studie von 1998: Danach waren Behandlungsergebnisse bei sozialen Unterschichten signifikant schlechter als die der höheren Sozialschichten. Diabetes und andere chronische Erkrankungen sind nicht nur ein medizinisches Problem. "Verhaltensmedizinische Schulungen", sagt Professor Standl, "stecken noch in den Kinderschuhen." Um wichtige soziale Komponenten integrieren zu können, muss ein großer Datensatz geführt werden, dieser ist digital leicht erfassbar. Wüsste der Diabetologe künftig mehr vom sozialen Umfeld der Patienten, könne er andere Behandlungsstrategien konzipieren, dem Postulat der "gleichen Lebenschancen" wäre dadurch Tribut gezahlt.</P><P>Die Gesundheits-Transparenz kann aber noch mehr: In der Schweiz gibt es den OGPD - den Online Gesundheitspass Diabetes. Patient und Arzt loggen sich passwortgeschützt auf einem Server ein und katalogisieren ihre Daten. Binnen Sekunden sind Bilanzen und Kurven erstellt. Der Arzt kann sein Patientenkollektiv mit anderen vergleichen, sich austauschen. Nach sechs Monaten schon sollen die für Diabetiker lebenswichtigen Werte verbessert worden sein. Die alte "Zettelwirtschaft" hatte dies nicht geschafft. </P><P>Was in der Schweiz ganz ordentlich funktioniert, stößt hier auf Skepsis: Durchschaubarkeit hat etwas von Blöße und ob jeder sich in allen Lebenslagen entblößen möchte, ist fraglich. </P><P>Lexikon aktuell<BR>Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist eine Stoffwechselkrankheit, die ohne gezielte Behandlung tödlich enden kann. Oftmals wissen die Betroffen nicht einmal davon. Im Jahr 2002 starben 35 000 Diabetespatienten an den Folgen eines Herzinfarktes, rund 30 000 erlagen einem Schlaganfall. Die Kosten beliefen sich auf 23,5 Milliarden Euro.</P><P> </P>

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