Elixier für eine Megastadt

- Was tun, wenn der Wasserbedarf steigt, die Ressourcen aber schwinden? Vor diesem Problem stehen heute schon viele Länder in der Dritten Welt. Aber auch in Europa oder Amerika bereitet diese Frage Sorge.

Neue Strategien sind gefragt, wie man das vorhandene Süßwasser effizienter für die Versorgung der Menschen und anschließend für die Landwirtschaft und Industrie einsetzen kann. Daran tüfteln jetzt Forscher vom Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung in Karlsruhe. Sie entwickeln für Peking beispielhaft einen Managementplan für die Wasserversorgung von Megastädten. Die Notwendigkeit für so einen Plan ergibt sich aus den immer schneller expandierenden Millionenstädten der Erde. Meist leben die Menschen dort bereits vom Grundwasser, das sich über Jahrmillionen angesammelt hat. Sie bohren immer tiefere Brunnen und holen das kostbare Nass aus Quellen, die der Regen nicht mehr nachfüllen kann.

Auch Peking ist mit diesem Wasserproblem konfrontiert. Der Grundwasserspiegel unter der Stadt hat sich schon um mehr als 20 Meter bedrohlich abgesenkt. Trotzdem holen die 14 Millionen Menschen ihr Trinkwasser noch immer aus dem Reservoir.Jetzt soll das Wasser aus dem Fluss Yangtse den Nachschub garantieren. In dem so genannten "South-to-North-Transfer"-Projekt soll ein Kanal über mehr als 1000 Kilometer die Versorgung mit Yangtse-Wasser sicherstellen. Dann fließen ab dem Jahr 2007 in jeder Sekunde rund 50 Kubikmeter zusätzliches Wasser in die Metropole. Das entspricht etwa der Menge, die der Rhein bei Basel führt."Um diesen Zustrom bewältigen zu können, ist eine ausgefeilte Logistik nötig", erklärt Professor Hartwig Steusloff vom Fraunhofer-Institut. Mit ihrem Computermodell wollen die Wissenschaftler um Steusloff den Wasserzustrom in der Stadt dirigieren und so ein effizientes Wassermanagement für die Zukunft aufbauen. In ihre Simulation gehen Daten, wie die über den Niederschlag, die Versickerung oder die Kapazität von Wasserwerken ein. Als Beispiel führt Steusloff die Nutzung des Abwassers zur Bewässerung der Felder an. "Die Kosten für die Aufbereitung des Abwassers zur Bewässerung von Feldern lassen sich senken, indem man nur schädliche Stoffe herausfiltert. Stickstoff oder Phosphor aber sind auch Substanzen, die in herkömmlichen Düngemitteln enthalten sind und nicht gefiltert werden müssen", sagt er.

Am Ende der Studie wollen die Karlsruher Wissenschaftler den Chinesen ein fertiges Entscheidungshilfesystem für die Wasserverwaltung ihrer Hauptstadt liefern. Das Modell soll übertragbar sein auf beliebige Großstädte, die sich in niederschlagsarmen Gebieten befinden. Zudem wollen die Forscher zuverlässige Prognosen abgeben, wie sich der Wasserverbrauch von expandierenden Megastädten in Zukunft entwickeln wird. Weitere Interessenten für den Wassermanagement-Plan gibt es schon in der Mongolei, auf der arabischen Halbinsel und in Afrika.

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