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Ein Emoji kann von verschiedenen Personen vollkommen unterschiedlich aufgefasst werden

De Erfinder orientierte sich an Manga Grafiken

Emojis erobern unsere Chats - und führen zu Missverständnissen

London - Ein Londoner Übersetzungsbüro sucht einen Emoji-Dolmetscher. Die kleinen Bildchen sind aus heutigen Chat-Verläufen nicht mehr wegzudenken. Erfunden wurden sie von einem Japaner.

Die Mini-Grafiken zieren Handy-Nachrichten rund um den Globus - die Bedeutung der sogenannten Emojis ist oft aber missverständlich oder unklar. Ein Londoner Übersetzungsbüro hat deshalb am Dienstag eine völlig neuartige Stelle ausgeschrieben: Es sucht einen "Emoji-Dolmetscher".

Dolmetscher soll kulturelle Missverständnisse erkennen können

Der neue Mitarbeiter soll monatliche Berichte über aktuelle Trends in der Emoji-Nutzung erstellen, kulturelle Unterschiede beim Verständnis der kleinen Kommunikationsgrafiken aufzeigen und geeignete Übersetzungen anbieten, teilte die Firma Today Translations mit.

Ein grinsendes Gesicht, ein Regenschirm, ein Stück Kuchen: Mit den Emoji-Bildchen lässt sich in Chat-Programmen alles Mögliche darstellen. Forscher haben aber bereits herausgefunden, dass die Grafiken je nach kulturellem Hintergrund des Nutzers sehr unterschiedlich gewertet werden können.

Bei Gerichtsverfahren von Vorteil

"Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, um die Emoji-Kultur rund um den Globus zu verstehen", sagte die Geschäftsführerin von Today Translations, Jurga Zilinskiene, zu AFP. "Da es keine Muttersprachler gibt, sollte der erfolgreiche Job-Bewerber seine Leidenschaft für Emojis demonstrieren und zudem ein Bewusstsein für Missverständnisse und kulturelle Unterschiede zeigen."

Einen praktischen Nutzen könnte ein Emoji-Dolmetscher etwa in Gerichtsverfahren haben, in denen die Deutung von Emoji-verzierten Chatverläufen eine juristische Rolle spiele, sagte Zilinskiene. Sie fügte hinzu, dass die Übersetzung von Emoji-Zeichen "noch komplexer als das gesprochene Wort" sei. 

Jeder sieht etwas anderes

Die in Japan entwickelten Emojis seien "stark von der visuellen Kultur der Mangas geprägt", sagte der Diplom-Psychologe Steffen-Peter Ballstaedt am Donnerstag im Radiosender SWR Info. "Da sind einige visuelle Konventionen, die wir nicht so kennen." 

Demnächst werde etwa von Apple ein Emoji eingeführt, das gekreuzte Finger zeigt und dafür stehen soll, dass jemandem Glück gewünscht wird. "Das ist eine Geste, die es bei uns eigentlich gar nicht gibt", sagte der Psychologe. "Wenn wir jemandem Glück wünschen, dann drücken wir die Daumen."

Nicht einmal bei Gesichtsausdrücken sind Missverständnisse ausgeschlossen. Diese seien zwar international sehr ähnlich, es gebe aber auch Unterschiede, sagte Ballstaedt. Das Emoji mit geschlossenen Augen und schnaubender Nase etwa stehe in Japan für Triumph und nicht etwa für Wut.

Der Erfinder kommt aus Japan

Rund 1800 verschiedene Emojis sind bei Smartphone-Nutzern weltweit in Gebrauch. Der Erfinder der kleinen Bildchen, Shigetaka Kurita, ist vom globalen Erfolg seiner Idee überrascht. "Wegen der japanischen Wurzeln hätte ich nicht erwartet, dass Leute im Ausland die Emojis übernehmen würden", sagte Kurita der Nachrichtenagentur AFP. Er habe einfach etwas erfunden, "was ich selbst haben wollte".

„Ein Herz kann niemals negativ verstanden werden.“

Alles begann im Jahr 1999. Damals arbeitete Kurita bei dem Telekommunikationsunternehmen NTT Docomo und experimentierte mit nur wenige Pixel großen grafischen Darstellungen. Unter anderem wollte er Wettervorhersagen auf den kleinen Bildschirmen der neu aufkommenden Handys besser darstellbar machen. So entstanden Symbolbildchen für Sonnenschein sowie ein geöffneter und ein geschlossener Regenschirm.

Außerdem fiel Kurita auf, dass Textnachrichten leicht missverstanden werden konnten - dem wollte er abhelfen. "Ein Smiley am Anfang und am Ende einer Nachricht garantiert, dass sie in einem positiven Kontext gelesen wird, auch wenn sie ironisch verfasst ist oder gar Vorwürfe enthält", sagte er AFP. "Mit einem Herz kann keine Nachricht negativ verstanden werden."

Persönlicher aber kein materieller Reichtum

Als Inspiration nutzte Kurita die japanischen Schriftzeichen und Manga-Comics. 176 kleine Bildchen entwarf er ursprünglich - diese sind nun im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen. Sein Beitrag zur globalen Smartphone-Kommunikation hat dem Erfinder zwar keine direkten finanziellen Vorteile gebracht. "Aber die Ehre, in die MoMA-Sammlung aufgenommen zu werden und in die Geschichte einzugehen, ist mehr als genug", sagte er. 

afp

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