Empfindliche Polartiere

- Muscheln und Schnecken in der Antarktis sind besonders anfällig gegenüber jeder Art von körperlichem Stress, etwa durch eine Erwärmung der Wassertemperatur um nur wenige Grad. Dieses Ergebnis bringt eine Arbeitsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) vom Dallmann-Labor auf King George Island vor der antarktischen Halbinsel mit.

<P>Im Norden der Insel hat sich die Temperatur in den letzten fünfzig Jahren um 2,5 Grad erhöht. Dort betreibt das Bremerhavener Institut gemeinsam mit einem argentinischen Antarktis-Institut auf der Station Jubany das Dallmann-Labor. <BR><BR>Doris Abele und ihr Team vom AWI untersuchen hier die Stresstoleranz der Meerestierwelt unter sich ändernden antarktischen Klimabedingungen. <BR><BR> Die Muscheln "Yoldia eightsi" und "Laternula elliptica", die im antarktischen Meeresboden bei Wassertemperaturen zwischen 1 Grad und 1,5 Grad leben, zeigen schon bei Temperaturen von 4 Grad Anzeichen von körperlichem Stress, den die Forscherin über Veränderungen der Zellen messen konnte. <BR><BR>Setzt man die Muscheln kurze Zeit noch etwas höheren Temperaturen aus, ist ihr Zellstoffwechsel so gestört, dass sie verenden.<BR>Tiere, die im Gezeitenbereich der antarktischen Halbinsel leben, wie die antarktische Schnecke "Nacella concinna", sind an einigen sonnigen Tagen im Jahr höheren Temperaturen ausgesetzt. </P><P>Doch schon ab 4 Grad wird es auch ihnen zu warm, wie stressbedingte Zellveränderungen zeigten. Ist die Erwärmung nur kurz, können sie ihren Stoffwechsel stabilisieren. Bei etwa 9 Grad sterben sie ab. Im Vergleich der Antarktis-Muscheln mit Artgenossen im Wattenmeer der Nordsee wird deutlich, dass Tiere in den gemäßigten Breiten höhere Temperaturschwankungen tolerieren können als im Polarmeer.<BR><BR> Die Muschel "Mya arenaria" zum Beispiel kann problemlos bei Temperaturen, die zwischen zwei Grad im Winter und zehn Grad im Sommer schwanken, ihre Lebensfunktionen aufrecht erhalten. Bis zu 18 Grad Wassertemperatur ertragen die Tiere ohne physiologische Anzeichen von Hitzestress. Die Polarmuscheln dagegen sind, wie Abele betont, an sehr konstante Umweltverhältnisse gewöhnt; schon geringfügige Änderungen ihrer Umgebung führen bei ihnen zu einer erhöhten Sterblichkeit.<BR><BR>Sollte die Muschel-Population zurückgehen, so hätte dies nicht nur Auswirkungen auf die Nahrungskette: "Viele der Tiere bewegen sich in den oberen Sedimentschichten des Polarmeeres und fördern so den Sauerstoffaustausch", erklärt die Meeresbiologin. Dadurch ermöglichen sie weniger aktiven Tieren, im Sediment zu leben.<BR><BR> Veränderten Lebensbedingungen in den Polargebieten sind aber nicht nur Muscheln ausgesetzt. Die Auswirkungen der sich ändernden UV-Strahlung auf Amphipoden (Flohkrebse) untersuchte die Meeresbiologin Birgit Obermüller. Die ein bis zwei Zentimeter winzigen Flohkrebse besitzen einen lichtdurchlässigen Chitinpanzer. Er bietet nur geringen Schutz gegen die schädliche UV-Strahlung. In einem ungestörten Lebensraum würden sie diesen auch nicht benötigen, denn in den hohen Breiten der Polargebiete ist die Sonneneinstrahlung nicht sehr intensiv. <BR><BR> Doch der UV-Anteil im Sonnenlicht hat zugenommen. Im Frühjahr bildet sich über der Antarktis das Ozonloch, wodurch unter anderem weit mehr kurzwellige UV-Strahlung die Erdoberfläche erreicht. "Wir beobachten, wie die Kleinkrebse sich bei erhöhter UV-Strahlung zurückziehen und Schutz unter größeren Algen suchen", berichtet Obermüller. Auch im Labor reagierten die Flohkrebse auf mehr UV-Strahlung mit Stress und frühem Tod. Eine Vergleichsgruppe, die weißem Licht ohne UV-Anteil ausgesetzt wurde, hatte dagegen keine Schädigungen.</P><P>Internet <BR>Die Homepage des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven ist zu erreichen unter: www.awi-bremerhaven.de</P><P> </P>

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