Energie aus tiefem Gestein

- Geothermie als Energiequelle zur Wärmeversorgung ist in Deutschland nicht unbekannt. Doch die Nutzung von Erdwärme zur Stromerzeugung bedeutet in Mitteleuropa immer noch Pionierarbeit. Die entscheidende Frage ist, ob ein ausreichendes nutzbares Heißwasservolumen in Gesteinsschichten, die sich tief im Erdinneren befinden, zur Verfügung steht. Geophysiker vom GeoForschungs-Zentrum in Potsdam (GFZ) wollen jetzt in einem Experiment nachweisen, dass geothermische Stromerzeugung unter den örtlichen geologischen Bedingungen des Norddeutschen Beckens möglich ist.

<P>Dazu pumpen sie zur Zeit mehr als 17 Millionen Liter Wasser in ein Bohrloch bei Groß-Schönebeck im Nordwesten von Berlin. Mit ihrem Experiment wollen die Wissenschaftler gezielt neue künstliche Gesteinsklüfte in etwa viertausend Metern Tiefe schaffen, um einen besseren Wasserzufluss aus dem Gestein zu erzielen. In diesen Tiefen herrschen Temperaturen von bis zu 150 Grad Celsius.<BR><BR> In Vorexperimenten wurde bereits untersucht, wie die Klüftigkeit des Gesteins in der Tiefe so vergößert werden kann, dass es neben der hohen Temperatur auch eine genügende Menge an heißem Wasser gibt. Durch den hydraulischen Druck der in die Tiefe gepressten 17 000 Kubikmeter Wasser wird dort das Gestein zerbrochen. Damit wird die sogenannte Wegsamkeit verbessert, so dass mehr Wasser in den Klüften zirkulieren kann. <BR><BR>Dieses Heisswasser soll in einer späteren Phase gefördert und durch den Wärmetauscher eines Kraftwerkes geschickt werden. Nach Entnahme der Wärmeenergie wird dann das geförderte Wasser wieder in die Tiefe, in die gleiche Gesteinsformation, gepumpt. <BR><BR>"Uns geht es um Technologieentwicklungen, die dann auf ähnliche geologische Standorte übertragbar sind. Mit diesem Projekt wollen wir eine Leistung von 750 Kilowatt erreichen. Etwa 100 Haushalte ließen sich dadurch versorgen", erklärt Prof. Rolf Emmermann, der Vorstandsvorsitzende des GFZ Potsdam.<BR><BR> Im Unterschied zu Wind- und Sonnenenergie steht Geothermie rund um die Uhr zur Verfügung und eignet sich damit zur Grundlastversorgung. Der Bohrplatz Groß Schönebeck weist die typischen geologischen Verhältnisse des Norddeutschen Beckens auf, das sich von Polen bis Holland erstreckt. Ein erfolgreiches Ergebnis würde prinzipiell die umweltfreundliche geothermische Stromerzeugung auch an anderen Stellen dieser großen geologischen Struktur ermöglichen, meinen die Geophysiker.<BR></P>

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