Entscheidung zwischen Paragraphen und Familie

- Eine Vermieterin namens Frau Emanze, die zur Giftmörderin wird - eine typische Frauenfigur, wie sie Jura-Studierenden noch im vergangenen Jahrzehnt regelmäßig begegnet ist.

"Das Frauenbild in juristischen Lehrbüchern wandelt sich nur sehr langsam", erklärt Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und heutige Vorsitzende des Goethe-Instituts "Inter Nationes", bei ihrem Vortrag in der Ringvorlesung "100 Jahre Frauen an der LMU".<BR><BR>Noch nicht allzu lange sei es her, dass sexistische Denkmuster in der Rechtswissenschaft vorgeherrscht hätten. <BR>Vor allem in der als Lernhilfe geschaffenen verzerrt-idealisierten Wirklichkeit der Fälle, an denen sich angehende Juristen üben, sei dies erkennbar gewesen, so Limbach: "In Strafrechts-Fällen kam die Geringschätzung von Frauen durch deren Beruf und ihr Treiben klar zum Ausdruck." <BR><BR>Jura ist immer noch eine Männerdomäne<BR> <BR> Doch nicht nur in den Charaktereigenschaften fiktiver Protagonisten, auch in der Interpretation eines Sachverhalts habe sich oft die männliche Dominanz in der Rechtswissenschaft gezeigt. Die Ansicht, eine Frau müsse keusch sein, habe zum Beispiel nicht selten dazu geführt, dass eine Dame, die nachts in einem als unsicher bekannten Stadtviertel spazieren ging, als mitschuldig an ihrer Vergewaltigung angesehen wurde.<BR><BR> Noch immer übersteigt die Zahl der Männer in der Rechtswissenschaft die der Frauen um ein vielfaches. Und das, obwohl seit über zehn Jahren der Anteil der Jura-Studentinnen bei 45 bis 50 Prozent liegt. Auch noch beim zweiten Staatsexamen liegen die Juristinnen zahlenmäßig fast gleichauf mit den Männern. "Doch oberhalb dieser Grenze setzt ein unaufhaltsamer Schwund ein", betont Limbach. Weniger als ein Viertel der juristischen Assistentenstellen an deutschen Universitäten sei mit einer Frau besetzt.<BR><BR> Die Entscheidung für die Familiengründung und gegen die Habilitation sei eine der Hauptursachen für diesen Zustand. Wegen der freieren Zeiteinteilung zögen viele Juristinnen den Richterberuf einer Hochschul-Laufbahn vor, sagt Limbach. Außerdem würden viele Frauen aus Angst vor einem frostigen Alltag und dem negativem Echo des Partners ihre Karriere gar nicht mit Nachdruck verfolgen. Diese Furcht müsse das weibliche Geschlecht aus eigener Kraft überwinden, mahnt die ehemalige Verfassungsrichterin: "Man darf die Ursachen von Missständen nicht nur beim anderen Geschlecht suchen." <BR>

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