Mit Envisat gegen Katastrophen

- Der europäische Umweltsatellit "Envisat" beobachtet seit eineinhalb Jahren die Erde. Seine digitalen Bilddaten liefert er unter anderem nach München an die Ludwig-Maximilians-Universität. Hier werden in der Geologischen Fernerkundung des Departments für Geo- und Umweltwissenschaften die Bilder, die der Satellit über dem isländischen Gletscher Myrdalsjökull aufnimmt, ausgewertet.

Ulrich Münzer, Leiter des Projekts der Europäischen Weltraumbehörde ESA und der Doktorand Kilian Scharrer entwickeln damit ein Katastrophen-Frühwarnsystem, das hilft, unter dem Eis versteckte Vulkanausbrüche rechtzeitig zu erkennen.<BR><BR>"Unter dem Gletscher Myrdalsjökull befindet sich die Katla, ein Vulkan, der bei einem Ausbruch das bis zu 750 Meter dicke Gletschereis von unten abschmilzt", erklärt Scharrer. "Das Schmelzwasser würde sich in das von Menschen bewohnte Umland ergießen und wahrscheinlich Todesopfer fordern.". <BR><BR>Aufgabe der Münchner Geologen ist es, mit Envisat herauszufinden, ob sich auf der Eisoberfläche Veränderungen, wie Risse oder Spalten ergeben, die auf einen Vulkanausbruch unter dem Eis schließen lassen. Bei einer sich anbahnenden Katastrophe könnte die Bevölkerung dann kurzfristig gewarnt werden.<BR><BR>Der Vulkanausbruch ist überfällig<BR> <BR>Bis zu zwei Zentimeter genau können die Münchner Forscher durch die Satelliten-Bilder Hebungen und Senkungen der Gletscheroberfläche beobachten. Dadurch lassen sich unter dem Gletscher die Geothermalbereiche des Vulkans ausfindig machen und Gebiete lokalisieren, in denen sich bereits Schmelzwasserrinnen gebildet haben. "Der Gletscher ist 590 Quadratkilometer groß, wir wissen, wo bei einem Ausbruch das Wasser hinfließt", sagt Scharrer. <BR><BR>Der Vulkan Katla bricht etwa zwei mal pro Jahrhundert aus. Die letzte große Eruption ereignete sich im Jahr 1918, eine kleine folgte 1999. "Der Vulkan ist überfällig", meint Scharrer. <BR><BR>Um herauszufinden, wie sich das System Gletscher und Vulkan verhält, müssen große Datenmengen verarbeitet werden. Envisat hat schon 48 Bilder an die Geologen geliefert. Jedes Bild füllt eine CD-ROM. In die Berechnungen gehen weitere Daten wie Tektonik, Erdbeben- und Klimaaufzeichnungen Islands mit ein.<BR><BR>"So genannte subglaziale Vulkanausbrüche wie am Myrdalsjökull kommen in vielen Regionen der Erde vor", erklärt Scharrer. "1985 kamen zum Beispiel in Kolumbien bei einem derartigen Ausbruch 25 000 Menschen ums Leben, als sich nach einer Vulkan-Eruption unter einem Gletscher große Schlammmengen mit dem Schmelzwasser ins Vorland ergossen."<BR><BR>Um künftig vor solchen Katastrophen warnen zu können, müssen die Veränderungen der Gletscheroberflächen in den Satellitenbildern schnell und richtig interpretiert werden. "Am Myrdalsjökull brauchen wir etwa eineinhalb Stunden, bis wir eine erste Analyse herausgeben können", sagt Scharrer. "Gerade für schwer zugängliche Gebiete eignet sich die Methode der Satelliten-Fernerkundung zum Aufbau eines Frühwarnsystems." <BR>

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