Erdbeben in China rückt "Twitter" ins Rampenlicht

Hamburg - Noch während am Montag in Südchina die Erde bebte, verbreitete sich die Meldung von der Naturkatastrophe im Internet. Bewohner der Provinz Sichuan, die die Erschütterungen am eigenen Leib mitbekamen, setzten Meldungen mit dem Kurznachrichten-Dienst "Twitter" ab.

"EARTH QUAKE in Beijing??", schrieb ein chinesischer Nutzer. Der amerikanische Blogger Robert Scoble ("Scobleizer") griff die Mitteilungen auf. Nun nimmt er für sich in Anspruch, dank des Internets als erster über das Beben berichtet zu haben - noch vor den etablierten Medien und dem Geologischen Dienst der USA.

"Twitter" bezeichnet sich selbst als Dienst zum "Micro-Blogging". Nutzer setzen Nachrichten im SMS-Format ab - nach 140 Zeichen ist Schluss. Wer mitlesen darf, entscheiden die Autoren. Das sind wahlweise die Freunde oder auch die ganze Twitter-Welt. Wer sich als "Follower" registriert, bekommt die Texte in Echtzeit per Internet oder SMS zugeschickt. So erhielt US-Blogger Scobleizer nur wenige Minuten nach dem Erdbeben Mitteilungen von chinesischen Internet-Nutzern und gab diese an seine zahlreichen Leser weiter.

Dabei geht es längst nicht immer um so ernste Dinge. Der Name - das englische Wort "twitter" heißt Gezwitscher" oder "Geschnatter" - ist oft Programm: Nicht wenige Blogger berichten, wo sie gerade sind und was sie machen, oder sie schicken Anekdoten und Witze herum. Globalisierte Freundeskreise oder Familien halten über die kurzen Texte Verbindung. Derzeit hat der Dienst laut Zahlen des US-Blogs Techcrunch rund eine Million Nutzer, 200 000 davon verwenden das Angebot wöchentlich.

Auch immer mehr Medienhäuser und Politiker nutzen die schnelle und direkte Kommunikation. Die britische Rundfunkanstalt BBC und die US- Zeitung "New York Times" verbreiten die Überschriften ausgewählter Nachrichten - wer die komplette Geschichte im Internet-Angebot lesen will, kann auf einen Kurz-Link klicken. In Deutschland zwitschern unter anderem "Welt kompakt", Bild.de und die Deutsche Welle. Und im Vorwahlkampf in den USA bemühen sich die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama, ihre Anhänger per Twitter bei Laune zu halten.

In der Blogosphäre ist eine Diskussion über die Bedeutung von Twitter entbrannt. Manch Blogger meint, der Dienst revolutioniere die Verbreitung von Nachrichten - schneller als über Twitter ließen sich kaum Neuigkeiten sammeln und verbreiten, zumal aus entlegenen Regionen wie Sichuan. Kritiker halten dem entgegen, dass schnell nicht gleich zuverlässig sei. "Man benötigt immer ungefähr die gleiche Zeit, um sich ein volles Bild von der Situation zu machen", schreibt John Murrell vom Blog "Good Morning Silicon Valley". "Das ändert sich nicht dadurch, dass man ein paar Minuten früher Bescheid weiß."

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