Erdbeben im virtuellen Raum

- In blauen und roten Farben breiten sich die Erdbebenwellen aus. Schnell haben sie den ganzen Erdball erfasst. Auf dem kleinen Laptop von Professor Heiner Igel von der Sektion Geophysik der Ludwig-Maximilians-Universität München wiederholt sich die Simulation eines großen Erdbebens, dessen Wellen dreidimensional dargestellt sind, immer und immer wieder. Jedes Jahr fordern Erdbeben zehntausende Tote. Beim letzten großen Beben in der iranischen Stadt Bam kamen 40 000 Menschen ums Leben.

<P>Vorhersagen von solchen Naturkatastrophen werden auch in Zukunft nicht machbar sein, meint Igel: "Wir können leider nicht ins Erdinnere schauen, wo Beben in etwa acht bis zehn Kilometern Tiefe ihren Ursprung haben. Damit fehlen uns jegliche Beobachtungsmöglichkeiten."<BR><BR> Doch ganz tatenlos wollen die Geowissenschaftler den globalen Katastrophen nicht gegenübertreten. "Die bei Erdbeben ausgestrahlte Wellenenergie lässt sich rechentechnisch gut simulieren", erklärt Igel. Lange war das ein Wunschtraum der Forscher. Erst seit etwa zwei Jahren können Computer Erdbebenszenarien auch in Einzelheiten berechnen. "</P><P>Damit sind wir wenigstens in der Lage, zum Beispiel die Bodenbewegung für eine Region nach einem möglichen Erdstoß dreidimensional zu simulieren", sagt Igel. Für gefährdete Gebiete, wie das Kölner Becken in Deutschland, das Peking-Becken in China oder das Gebiet von Kalifornien in den USA könnte sich dieses Wissen schon auszahlen. Denn "wenn wir wissen, wie sich die Erde bei einem Beben bewegt, können wir den Gebäudeplanern sagen, wie sie zukünftig ihre Bauwerke sicherer konzipieren können".<BR><BR> Erdbebenwellen haben aber neben der oft verheerenden Wirkung auch einen großen Nutzen für die Wissenschaft. Sie geben Aufschluss über den Aufbau der Erdkruste bis hinunter zum tiefsten Erdinneren. Mit Hilfe der neuen Computertechnologie können die Erdbebenforscher ihre theoretischen Berechnungen für Erdstöße mit Erdbebenaufzeichnungen, den Seismogrammen besser vergleichen und damit Rückschlüsse über den Aufbau der Erde ziehen. <BR><BR>Um die Simulationen an die Realität anzupassen und die Arbeit der europäischen Seismologen zu koordinieren, hat Heiner Igel das Projekt SPICE (Seismik wave Propagation and Imaging in Complex Media) ins Leben gerufen. Das von der Europäischen Union mit 5,5 Millionen Euro geförderte Vorhaben soll neben gemeinsamen Forschungen vor allem den Nachwuchsseismologen von 14 beteiligten europäischen Universitäten eine qualifizierte Ausbildung ermöglichen.<BR><BR> Bis jetzt verstehe man nur Teile von Seismogrammen", erklärt der Erdbebenforscher. "Mit SPICE wollen wir der nächsten Seismologen-Generation das Rüstzeug geben, damit sie künftig Erdbebenaufzeichnungen viel besser verstehen und sie in 3D-Szenarien auch am Rechner nachvollziehen können".<BR><BR>Dazu werden den Studenten bereits getestete Rechenprogramme zur seismologischen Auswertung übers Internet zur Verfügung gestellt. Zudem wird eine Datenbasis für gefährdete Gebiete angelegt, um die Risiken einer möglichen Katastrophe besser abschätzen zu können.<BR><BR>"Wir wollen mit dem SPICE-Projekt hochqualifizierten Seismologen eine gute Startbasis für ihr Berufsleben bieten", sagt Igel, während auf seinem Laptop eine Erdbeben-Simulation ihrem Ende entgegen geht. </P><P> </P>

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