Die Eroberung einer neuen Welt

- Zuerst wollte Astrophysiker Horst Uwe Keller gar nicht glauben, was er sah. Fast wie auf dem Mars! . . "Damit haben wir nicht gerechnet", erklärt der Planetenforscher vom Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg den Journalisten, die ihn seit der spektakulären Landung der Sonde "Huygens" immer wieder mit Fragen bestürmen.

Keller ist einer jener unbeirrten Forscher, die fast 25 Jahre auf diesen Augenblick hingearbeitet haben: die Eroberung des Saturnmondes Titans. Bis zu der Landung der Sonde und den ersten Fotos war es eine undurchschaubare Nebelwelt - mehr als 1,2 Milliarden Kilometer entfernt. Zu weit, um regelmäßig - wie zum Mars - Roboter hinschicken zu können.<BR><BR>Es musste alles auf Anhieb klappen, sieben Jahre nach dem Start der Mission, die von Amerikanern und Europäern gemeinsam betrieben wird. Was die Sonde, für deren Hightech-Bord-Kamera Horst Keller maßgeblich mitverantwortlich ist, an Bildern von diesem Mond über die um den Saturn kreisende Muttersonde "Cassini" zur Erde geschickt hat, ließ nicht nur Astrowissenschaftler in Jubel ausbrechen. Können wir uns doch alle nun ein wenig wie Entdecker fühlen, die eine fremde Welt weit draußen im All betreten haben.<BR><BR>Kalt ist es dort - minus 180 Grad - und etwa tausendmal dunkler auf der Erde. Eisbrocken liegen herum, dort, wo Huygens auf festem Untergrund gelandet ist. Zum Glück versank die Sonde nicht in einem Methansee - so konnte die rotierende Bordkamera Bild um Bild aus der Umgebung zur Erde funken.<BR><BR>Eine Sensation, dieser erste Einblick in die Welt des größten Saturnmondes - für jeden Laien nachvollziehbar über die Internetseiten der deutschen, euro-päischen und amerikanischen Raumfahrtbehörden (www.esa.int/SPECIALS/Cassini-Huygens).<BR><BR>Die Schwerkraft auf dieser Welt, die - acht Klilometer von oben betrachtet - eine Art Küste zeigt, ist siebenmal geringer als die der Erde - wir könnten dort wie ein Vogel mit eigener Muskelkraft herumfliegen, wie Keller launig meint. Ob es dort Leben gibt - das werden die 350 Bilder nicht zeigen, die Europas Sonde geschickt hat.<BR><BR>Hier kommt es auf die Analysen der Messdaten an, die Huygens von der dichten, kohlenwasserstoff-geschwängerten Atmosphäre gesammelt hat. Wir werden noch viel vom Titan erfahren. Doch für Keller hat sich schon jetzt sein größter Entdeckertraum erfüllt.

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