Norwegisches Projekt

Nur wer Quiz-Fragen beantwortet, darf Artikel kommentieren

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München - Eine neue Methode soll künftig sicherstellen, dass Kommentatoren einen Artikel wirklich gelesen haben. Sonst dürfen sie keine Kommentare schreiben. Ein Projekt aus Norwegen.

Es ist ein bekanntes Problem in Nachrichtenredaktionen weltweit: die Kommentarfunktion. Abschalten will man sie eigentlich nicht und sie ständig und überall zu kontrollieren, ist zeitweise schwierig. Die Kontrolle ist nötig, da es in letzter Zeit verstärkt zu hetzenden, beleidigenden oder völlig sinnlosen Kommentaren kommt. Ein Problem dabei: Einige Leser hinterlassen einen Kommentar, doch ganz offensichtlich haben sie den Artikel gar nicht, nur zum Teil oder nur die Überschrift gelesen. Denn sonst wüssten sie, dass ihr Kommentar keinen Sinn macht beziehungsweise völlig unpassend ist.

Die norwegische Nachrichtenseite NRKbeta will diesem Problem jetzt entgegentreten. Ihre Methode ist simpel. Wer einen Artikel kommentieren will, muss vorher ein Quiz mit drei einfachen Fragen zu dem Artikel beantworten. Damit will die Redaktion sicherstellen, dass alle Kommentatoren die gleiche Faktenlage des Artikels kennen und sich dessen Aussage bewusst sind. 

Manchmal kommt es vielleicht nur auf 15 Sekunden an

Die norwegischen Leser müssen beispielsweise dieses Quiz zu dem Artikel beantworten können, bevor sie ihn kommentieren dürfen.

Gegenüber dem Blog niemandlab.org erklärt der NRKbeta-Journalist Ståle Grut: „Wir waren der Meinung, wir sollten unseren Part dazu beitragen, um sicherzustellen, dass die Leser auf der gleichen Seite stehen, bevor sie kommentieren. Wenn jeder dem zustimmt, was der Artikel tatsächlich aussagen soll, dann ist das eine wesentlich bessere Basis, um den Artikel zu kommentieren.“ Grut war es übrigens auch, der diese Idee ins Leben rief.

Diese 15 Sekunden, die es ungefähr dauert, das Quiz zu beantworten, sollen dem Leser außerdem noch einmal Zeit geben, über das, was er kommentieren will, nachzudenken, bevor es es tatsächlich abschickt. „Wenn man 15 Sekunden dafür aufbringt, sind das vielleicht genau die 15 Sekunden, die dazu beitragen, dass der Schimpfmodus in den Kommentaren abnimmt“, sagt der NRKbeta-Herausgeber Marius Arnesen zu niemanslab.org

Wie Ståle Grut gegenüber unserer Onlineredaktion erklärt, wird die neue Funktion vor allem bei Artikeln angewendet, die viele Leser erreiche. „Bisher haben wir von unseren Lesern und der Medienwelt hauptsächlich positives Feedback bekommen.“ Die Redaktion habe nun zu lernen und müsse die Funktion weiterentwickeln, erst dann könne man entscheiden, ob die Funktion beibehalten werde oder wieder von der Seite verschwinde, so Grut. 

Zwar finden sich auf der norwegischen Webseite hauptsächlich technische Themen - auch dort kann es zu hitzigen Diskussionen kommen - doch möglicherweise ist diese Methode eines Tages aber auch Vorbild für andere Onlineredaktionen. 

mt

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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