Erste europäische Sonnenfinsternis seit 1999

Hamburg/Reykjavik - Am Samstag, 31. Mai wird die Sonne nur als Sichel über Mitteleuropa aufgehen. Erstmals seit dem Aufsehen erregenden Himmelsschauspiel von 1999 ist in Europa wieder eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Zwar wird es dabei nicht dunkel wie im Pfad des Mondschattens bei der totalen Sonnenfinsternis vor vier Jahren. Doch erwartet die Beobachter der Teilfinsternis zu Sonnenaufgang ein ebenso ungewöhnlicher und seltener Anblick - vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Update vom 20. März 2015: Heute findet über Europa wieder eine Sonnenfinsternis statt. Auf merkur-online.de begleiten wir das seltene und spektakuläre Himmelsphänomen mit einem Live-Ticker und Live-Stream. Zur Sonnenfinsternis finden Sie in dem Artikel aktuelle News, wichtige Infos sowie Fotos und Eindrücke aus München.

"Die Sonnensichel am Horizont kann sehr spektakulär aussehen und wird eventuell manchen überraschen, der sie nur zufällig sieht", sagt Wolfgang Steinicke von der Vereinigung der Sternenfreunde (VdS) in Freiburg. Auf Island kommt es zu einer beeindruckenden ringförmigen Finsternis.

Von Kopenhagen bis Mailand können Frühaufsteher bei wolkenlosem Himmel von etwa 4.40 Uhr an verfolgen, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt und bis zu 85 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Südwestlich der Linie Triest-Rotterdam geht die Sonne allerdings erst nach dem Höhepunkt der Bedeckung auf. Nach rund zwei Stunden ist das Schauspiel in Mitteleuropa vorbei - die Sonne strahlt wieder makellos vom Himmel. In früheren Zeiten glaubten viele Kulturen bei solchen Anlässen, ein Drache oder Monster verschlinge die Sonne und müsse mit Höllenlärm vertrieben werden - was auch stets gelungen ist.

Wer sie nicht gezielt beobachtet, wird die Finsternis möglicherweise gar nicht bemerken: "Die Dämmerung könnte am 31. Mai etwas fahler ausfallen. Aber das ist auch nicht anders als sonst bei wolkenverhangenem Himmel", sagt Steinicke. Ohnehin schafft der Mond es nicht, das Sonnenlicht deutlich zu schwächen. "Selbst wenn nur noch ein Prozent der Sonne frei ist, wird es nicht richtig dunkel", erläutert der Sternenfreunde-Sprecher.

Bequemer ist die Finsternis von Russland und in weiten Teilen Asiens zu beobachten, wo die Sonne dann bereits hoch am Himmel steht. Allerdings bedeckt der Mond jenseits des Ural nur noch etwa 20 bis 60 Prozent der Sonnenscheibe.

Ein besonders spektakulärer Anblick erwartet dagegen die Isländer, bei denen die dunkle Neumondscheibe die Sonne mittig passiert und daher von einem gleißenden Feuerring umgeben sein wird. Ähnlich wird die Finsternis auch von Nord-Schottland und Teilen Grönlands aus zu sehen sein. Zu so einer ringförmigen Sonnenfinsternis kommt es, wenn der Mond sich auf seiner leicht eiförmigen Bahn gerade relativ weit von der Erde entfernt hat. Er erscheint dann etwas kleiner als sonst am Himmel und kann die Sonnenscheibe deshalb nicht vollständig verdecken. Es ist eine Laune der Natur, dass der etwa 3 500 Kilometer kleine Mond und die rund 1 400 000 Kilometer große Sonne am irdischen Himmel genau gleich groß erscheinen.

"Hunderte, ja vielleicht tausende" Schaulustige in Island erwartet der Astronom Torsteinn Sæmundsson von der Universität Reykjavik. Bei isländischen Reiseveranstaltern hätten sich dabei nicht nur Touristen sondern "erstaunlich viele internationale Top-Leute" aus der Fachwissenschaft angemeldet. Die besten Plätze zur Beobachtung des Feurrings werden an Islands Westküste oberhalb von Reykjavik und im äußersten Nordosten rund um die Ortschaft Rafiahofn erwartet.

Was genau und wie lange etwas zu sehen sein wird, bestimmt allerdings das extrem wechselhafte Wetter auf der Insel im Nordatlantik. Die Karawanen mit Privatwagen und Bussen werden sich am Tag vorher je nach den Vorhersagen in Fahrt setzen. Sicher sein können Sæmundsson zufolge nur die Passagiere eines für die Sonnenfinsternis von Deutschen gemieteten Flugzeuges, das dem Ereignis von Island bis Grönland über den Wolken folgt.

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