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Zwei Studenten und ihre Prof Gunther Rehfeld im Labor des Hamburger Studiengangs.

Erster Game-Studiengang in Deutschland

Hamburg - In Deutschland kann man nun erstmals das Entwickeln von Computerspielen studieren. Deutschland hat seinen ersten „Gamer-Prof“ mit viel Verständnis für durchgespielte Nächte.

Der Ganzkörperanzug sitzt hauteng. Überall verteilt, an Armen, Beinen, Kopf und Rumpf sind kleine Sensoren befestigt. Jede Bewegung wird am Computer erfasst und in ein dreidimensionales Modell übertragen. Mit dem “Motion-Capture“-System simulieren Professor Gunther Rehfeld und seine Studenten menschliche Bewegungen in virtuellen Abenteuer-Welten.

Hier gibt‘s Informationen zur Gamecity Hamburg.

An der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg startet kommendes Sommersemester der erste öffentliche Studiengang zur Entwicklung von Computerspielen. “Wir wollen zusammen lernen, wie man ein Spiel von der Idee, über die grafische Gestaltung und technische Umsetzung, bis zur Vermarktung hin entwickelt“, sagt der 48-Jährige, der sich noch gegen den Titel Deutschlands erster “Gamer-Prof“ wehrt. Andere Kollegen hätten ebenfalls wichtige Beiträge auf diesem Feld geleistet, sagt Rehfeld, der mit Zopf und schwarzem Schlabber-Shirt jedenfalls eher nicht wie der klassische Hochschullehrer wirkt.

Bisher nur private Game-Studiengänge

Dennoch gibt es bisher nur private Akademien mit Game-Ausrichtung oder Universitäten, auf denen Mediengestaltung oder Informatik ohne speziellen Spiele-Schwerpunkt unterrichtet werden. In Hamburg hat der Senat für den neuen Masterstudiengang kürzlich 450.000 Euro als Anschubfinanzierung auf zwei Jahre bereitgestellt. “Damit unterstützen wir die boomende Hamburger Games-Branche, die mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat“, sagt Wirtschaftsenator Axel Gedaschko.

Einer Marktanalyse des Branchen-Netzwerkes gamecity zufolge würden allein in diesem Jahr 300 Spezialisten gesucht. In Hamburg sind in mehr als 190 Unternehmen bereits 1.700 Menschen im Game-Bereich beschäftigt. Die Einstiegsgehälter liegen zwischen 35.000 und 45.000 Euro.

Bewerbung für Master bis Ende Oktober möglich

Im abgedunkelten Game-Labor, vor gleich drei großen Flachbildschirmen sitzen die Studenten Daniel Thiele und Hanno Trennt. Sie zeigen Elemente eines Ego-Shooter-Abenteuers, das sie selbst entworfen haben. Daniel zückt mit seiner Spielfigur eine Pistole, wechselt dann aber schnell wieder auf den Faustmodus.

Man will hier nicht den Eindruck einer Blut- und Ballerspiel-Akademie entstehen lassen. “Durch diese krude Verbots-Diskussion in Deutschland sind wir total rückständig auf einem enorm wachsenden Mark“, kritisiert “Gamer-Prof“ Rehfeld. Dabei haben die Studenten ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihren zukünftigen Werken: Denis Vaz Alves träumt schon lange von einem Fantasy-Abenteuer, Hanno Trennt möchte sich in seiner Bachelor-Arbeit auf filmische Zwischensequenzen spezialisieren, andere haben eher technische Schwerpunkte ins Auge gefasst.

Alle hier haben bereits einige Semester im Fach Medieninformatik hinter sich. Nun wollen die Studenten den Bachelor absolvieren, um sich dann auf den neuen Masterstudiengang zu bewerben. 20 Plätze werden dafür zunächst ausgeschrieben, zehn für Studenten aus künstlerischen Fächern und zehn für Informatiker und Techniker. Eine Bewerbung ist bis Ende Oktober möglich.

Vom Brettspiel zum Cyberabenteuer

Trotz der harten Ausbildung dürften die Studenten von ihrem “Gamer-Prof“ Verständnis für durchgespielte Nächte erwarten. “Ich habe selbst irgendwann mit dem intensiven Spielen aufgehört, weil ich mich über zu wenig Schlaf geärgert habe“, sagt Rehfeld, der sich nach seinem Kunststudium bereits zum Ende der 80er Jahre mit der aufkommenden Spieletechnik befasst hat.

Im neuen Master sollen die Studenten ihre Fähigkeiten in Grafik- und Sounddesign und in der Programmierung erweitern und auch auf abstraktem Niveau Spielabläufe erdenken. Mit einer kompletten Gamesequenz samt Businessplan wollen die künftigen Absolventen sich dann direkt bei der Industrie bewerben.

AP

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