Erster SARS-Verdacht in Deutschland bestätigt

- Frankfurt/Main - Der erste Verdachtsfall auf die mysteriöse asiatische Lungenentzündung in Deutschland hat sich nach Angaben der Frankfurter Universitätsklinik bestätigt. "Wir sind sicher, dass es das ist", sagte der Leiter der Frankfurter Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt, am Dienstag. Der Arzt aus Singapur habe alle von der Weltgesundheitsorganisation angegebenen Symptome für das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Severe Acute Respiratory Syndrome/SARS), das von einem unbekannten Erreger verursacht wird. Er hatte Kontakt zu Patienten, die er ohne Mundschutz behandelte. Inzwischen lägen auch "charakteristische Laborbefunde" vor.

<P>Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von rund 170 Infektions- und 4 Todesfällen weltweit. Sie schätzt die Krankheit als weltweite Bedrohung ein und rät vor allem Asien-Reisenden, auf Anzeichen wie Fieber, Muskelschmerzen, Heiserkeit, Atemnot und Husten zu achten. Die Organisation sieht aber keinen Anlass, Reisebeschränkungen nach Asien zu empfehlen. SARS sei nur in direktem Kontakt übertragbar. Das würde erklären, warum bislang nur medizinisches Personal und engste Angehörige erkrankten.</P><P>Seit der Nacht zum Dienstag liegt auch die schwangere Frau des Arztes aus Singapur in Frankfurt auf der Isolierstation. Am Montag hatte sie zunächst Fieber bekommen und dann weitere Symptome gezeigt. Wegen ihrer Schwangerschaft in der 13. Woche sei sie besonders schwer zu behandeln, sagte Brodt. Ihr Mann hatte am Dienstag erstmals kein Fieber mehr und wird die Krankheit nach Einschätzung seiner Ärzte überstehen. Die Schwiegermutter des Patienten war am Dienstag ebenfalls auf dem Weg der Besserung. Bei ihr sei nicht sicher, dass sie überhaupt mit dem SARS-Erreger infiziert worden sei.</P><P>Der mit Verdacht auf SARS in der Seuchenstation des Berliner Virchow-Klinikums Berlin liegende Patient wird weiter untersucht. Er leide unter hohem Fieber, Halsschmerzen und Husten, teilte das Virchow-Klinikum mit. Eine Infektion sei sehr wahrscheinlich, sagte der leitende Arzt Prof. Norbert Suttorp. Der 28-jährige Berliner hatte neun Tage lang Schanghai (China) besucht. Nach bisherigen Erkenntnissen handele es sich nicht um einen dramatischen Fall, betonte die Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner. In Sachsen gaben Mediziner Entwarnung. Weder die Verdachtsfälle in Leipzig noch der in Dresden hätten sich bestätigt.</P><P>Bei dem Erreger kann es sich nach ersten Vermutungen der Frankfurter Ärzte um ein Virus aus der Gruppe der Paramyxoviren handeln. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem auch die Erreger von Masern, Mumps und Hundestaupe sowie der einer Lungenentzündung bei Mäusen. "Wir wissen, dass Paramyxoviren Lungenkrankheiten verursachen können", sagte Prof. Hans-Wilhelm Doerr, Leiter der Virologie am Frankfurter Universitätsklinikum. Es handle sich zwar nur um einen Verdacht, "aber wir haben eine erste Spur aufgenommen. Dennoch würden die Patienten sozusagen sicherheitshalber weiterhin mit Antibiotika behandelt, obwohl diese gegen Viren nichts ausrichten können.</P><P>Auch in den USA und Großbritannien sind Menschen möglicherweise an SARS erkrankt. Die Gesundheitsbehörde in Los Angeles (Kalifornien) gab am Montag (Ortszeit) einen Verdachtsfall bekannt. Der Zustand des Erkrankten wurde als nicht lebensgefährlich beschrieben. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden CDC werden in den USA derzeit vier Verdachtsfälle auf SARS untersucht. Auch ein Brite, der am vergangenen Wochenende auf zwei Flügen Passagier der niederländischen Fluggesellschaft KLM war, ist möglicherweise an SARS erkrankt. Er liegt in einem Krankenhaus in Manchester. Er war von Hongkong nach Amsterdam und dann weiter nach Manchester geflogen. Die Möglichkeit, dass er andere Passagiere angesteckt haben könnte, sei aber gering, sagte ein KLM-Sprecher.</P><P>Mit einem Flugblatt informiert das hessische Sozialministerium Fluggäste aus Asien über die Symptome der asiatischen Lungenentzündung. Der signalgelbe Zettel werde an der Passkontrolle auf dem Rhein-Main-Flughafen verteilt, kündigte das Ministerium am Dienstag in Frankfurt an. "Wenn Sie innerhalb einer Woche nach Rückkehr aus oben genannten Ländern grippeähnliche Beschwerden entwickeln, sollten Sie Kontakt mit einem Arzt aufnehmen", heißt es dort. Die genannten Länder sind China, Hongkong, Singapur, Thailand, Vietnam und auch Kanada.</P>

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