250 000 Euro Belohnung für Tippgeber

- Hannover - Die Suche nach dem Programmierer des zerstörerischen Computerwurms "Sasser" verlief wie im Krimi. Ein Hinweis aus der nächsten Umgebung des Urhebers brachte die Ermittler auf die entscheidende Spur. Bei einem nächtlichen Geheimtreffen erfuhren sie dann den Namen. Inzwischen hat der 18-Jährige gestanden.

<P>"Uns hat im Laufe der Woche ein Anruf erreicht von Personen, die vorgaben, die Identität des Täters zu kennen", sagte der Datenschutzbeauftragte von Microsoft-Deutschland, Sascha Hanke. Der Mann, der nicht gerade wie ein Detektiv aussieht, war es, der den Urheber von "Sasser" stellte. Auf einer Pressekonferenz erzählte Hanke, wie er dem 18-Jährigen aus Niedersachsen auf die Schliche kam, der mit seinem Wurm "Sasser" Millionen Computer auf der ganzen Welt lahm legte und Millionenschäden verursachte. Hanke sei schnell klar geworden, dass die anonymen Anrufer keine Trittbrettfahrer seien, sagte er. "Dazu wussten sie zu viel." Hanke forderte mehr Beweise: Teile des Quellcodes von "Sasser" sollten die Anrufer beschaffen.<BR><BR>Das klappte: "Wir haben dann Teile des Quellcodes bekommen. Wir können mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass diese Personen den Quellcode direkt vom Verursacher bezogen haben", sagte Hanke. Der Quellcode ist die ursprüngliche Vorlage eines Programms, die grundlegende Version, die als eine Art Fingerabdruck gilt. Damit war klar, dass die Tippgeber ganz dicht dran waren am "Sasser"-Programmierer. Daraufhin gab es ein Geheimtreffen mit den Informanten. Dabei sei der Name des Täters gefallen.<BR><BR>"Sasser" konnte seine Schäden nur anrichten, weil es im Microsoft-Programm eine Lücke gab. Daher war der Software-Gigant auch bis in die obersten Etagen mit der Fahndung nach dem Urheber beschäftigt: "Unsere Sicherheitsexperten haben den übermittelten Quellcode analysiert und gesagt: Das ist es", so Hanke.<BR>Aber warum haben sich die Tippgeber bei Microsoft gemeldet? Hanke wird schweigsam. Er erzählt nur weitläufig davon, dass Microsoft seit November 2003 einen Topf mit 5 Millionen US-Dollar (4,14 Millionen Euro) eingerichtet hat, aus dem Tipps auf Viren-Urheber Belohnungen kassieren können. Bis zu 250 000 Dollar pro Virus seien ausgesetzt. Microsoft-Vizepräsident Brad Smith sagte, das Geld würde nach einer Verurteilung des Täters ausgezahlt.<BR><BR>Nachdem Hanke den Namen erfahren hatte, ging alles ganz schnell: Microsoft informierte die Polizei, die einen Durchsuchungsbefehl beantragte. Kurz darauf wurde der 18-Jährige festgenommen. Noch in der laufenden Durchsuchung legte der junge Mann ein Geständnis ab. Auf ihn kommen harte Zeiten zu: Er muss sich wegen Computersabotage verantworten, Höchststrafe fünf Jahre Haft. Und er muss Schadenersatz leisten, wenn er verurteilt wird.</P><P> </P>

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