Europa plant eine neue Kometen-Mission

- Mit einem flugtauglichen Raumsonden-Modell bereitet sich die Europäische Weltraumkontrollstation ESOC in Darmstadt auf eine neue Kometen-Mission vor. Nachdem der Start der Sonde "Rosetta" im Januar wegen Problemen mit der Trägerrakete abgebrochen wurde, muss das Programm jedoch umgeschrieben werden.

<P>Projektleiter Manfred Warhaut wird in den nächten Monaten mit dem 1,5 Tonnen-Modell alle Phasen der neuen Kometen-Mission testen - vielleicht geht's aber auch zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko. Den Kometen Hale Bopp, der auf dem Foto 1997 über dem prähistorischen Kultplatz Stonehenge (Großbritannien) schwebte, kann die Sonde nicht erreichen, der verschwand in den Tiefen des Universums. </P><P>Die Techniker dürfen das Sonden-Gerät nur mit Handschuhen anfassen, die Besucher tragen Kittel, Kopfschutz und Überschuhe. Kein Staubkorn soll die empfindliche Anlage stören, die für die Schwerelosigkeit konstruiert wurde. "Jedes Teil kann jederzeit für die richtige Sonde angefordert werden, die schon auf dem europäischen Weltraumbahnhof in Kourou steht", so Manfred Warhaut. "Unser Modell ist also auch eine Art Ersatzteillager."</P><P>Die Sonde von der Größe eines Kleinlasters ist seitlich an einer großen Metallscheibe befestigt, mit der die Drehungen im Weltraum nachgestellt werden können. Dicke Kabelstränge führen zu mannshohen Computern und Messeinheiten. Dem Modell fehlen nur die Sonnensegel und die Antenne für die Verbindung zur Erde. Die kleine Landeeinheit, die von Rosetta auf dem Kometen abgesetzt werden soll, wird später geliefert.</P><P>"Die Tests könnten wir auch im Computer berechnen", sagt Flugkontrollmanager Paolo Ferri. "Aber wir versuchen, so wenig wie möglich zu simulieren, weil dadurch zusätzliche Fehler auftreten können." Doch gibt es für die Tests auch Grenzen. "Wir schalten nie die Hochspannung ein. Das ist zu gefährlich." Auch die Funktion der Triebwerke und des Sonnensegels könnten nicht untersucht werden, sagt Ferri: "Dafür haben die Hersteller spezielle Anlagen mit künstlichem Vakuum."</P><P>Ursprünglich sollte das 20 Mann-Team um Warhaut jetzt am Modell die Flugbefehle prüfen, bevor sie an Rosetta geschickt werden. Da die Trägerrakete nicht starten konnte, steht die Sonde im Hanger, und die Forscher suchen fieberhaft eine neue Flugroute. Ende Mai wird entschieden.</P><P>Drei Szenarien wurden geprüft. Entweder startet Rosetta im Januar 2004 mit einer leistungsstarken Ariane 10 oder mit einer russischen Proton-Rakete. Dann könnte sie noch wie geplant den Kometen Wirtanen 2011 erreichen und ihn auf seiner Reise zur Sonne begleiten. Ob die Ariane 10 jedoch einsatzfähig sein wird, steht noch in den Sternen. Der Umstieg auf eine Proton würde das 700-Millionen-Euro-Projekt um 80 Millionen Euro verteuern. Deshalb wird Rosetta wohl im Februar 2004 mit der Ariane 5 zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko geschickt.</P><P>Zur Zeit sammeln Astrophysiker sämtliche Daten über den Himmelskörper. Die Erforschung der Kometen per Sonde soll die Entstehung des Sonnensystems ein Stück weit besser erklärbar machen.</P><P>Für die neue Flugroute müssten fünf Prozent der Daten umgeschrieben werden. "Wir versuchen, die Änderungen so gering wie möglich zu halten", erklärt Warhaut.</P><P> </P>

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