Europa trifft TUM: Fragestunde im Hörsaal

- Vorsichtig schauen sich zwei Studentinnen am Eingang zum Hörsaal um, als sie nach der Broschüre "Wie funktioniert die Europäische Union?" greifen. "Sollte man sich vielleicht mal anschauen", meint die eine, und man merkt, wie peinlich es ihr ist. "TUM meets EU" lautete das Motto der Diskussionsrunde mit EU-Kommissarin Danuta Hübner. Bei ihrem Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten machte die polnische Europa-Vertreterin einen Abstecher zur Technischen Universität München (TUM).

TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann zeigt sich beeindruckt vom Budget, das Hübner in ihrer Eigenschaft als Kommissarin für Regionalpolitik verwalten darf.

EU-Staaten müssen aus einem Mund sprechen

Zu Beginn ihrer Rede entschuldigt sich Hübner, trotz ihres deutschen Namens nicht die Sprache zu sprechen. Die kleine Dame wirkt fast verletzlich, als sie sich für die Europäische Verfassung einsetzt: "Mit einem gemeinsamem Außenminister würden die Mitgliedstaaten nicht nur mit einer Stimme sprechen, sondern aus einem Mund." Einen "Fahrplan" für die Verfassung erwartet sich die Kommissarin von Deutschland, das ab 1. Januar 2007 die EU-Präsidentschaft übernimmt. Auch umstrittene Themen wie Einwanderung, Welthandel und Energieversorgung stehen in dem halben Jahr an.

Die Fragen der Studenten und Professoren zielen dagegen eher auf die Erweiterung der EU ab. Warum legt man der Türkei so viele Steine in den Weg?, fragt ein junger türkischer Student. Hübner hat Verständnis für ihn, aber auch für die EU-Bevölkerung. Die Menschen bräuchten Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen. "Es ist gut, dass wir viel diskutieren." Hübner wirft lächelnd einen fragenden Blick zu ihrem Manager. Habe ich noch Zeit für mehr Fragen? Der nickt streng, eine halbe Stunde zusätzlich. Zeit für die zweite Fragerunde.

Den Vorwurf eines Zuhörers, dass Deutschland mehr in die EU einzahle als zurückkomme, lässt Hübner nicht gelten. "Allein könnte sich Deutschland niemals mit Weltmarkt-Riesen wie den USA messen", meint sie. Nur zusammen sei man stark. Verständnis hat Hübner dagegen für einen Studenten, der den ständigen Umzug des Europa-Parlaments von Straßburg nach Brüssel anprangert. "Manchmal können wir den Wert von etwas nicht messen", begründet sie den sogenannten EU-Zirkus. Beide Städte seien eben Teil der Geschichte der EU.

Hübner outet sich als "Fan der jungen Generation". "In euren Händen liegt die Zukunft Europas", sagt sie. Beunruhigt sei sie deswegen darüber, dass gerade junge Leute immer politikverdrossener werden. Sie ist deshalb "glücklich" über ihr Amt als Regionalkommissarin. Bis zu vier Tage pro Woche reist sie in die verschiedenen Regionen Europas. "Wir Politiker sollten nicht nur die Bürger in der EU repräsentieren, sondern auch die EU zurück zu den Bürgern bringen."

Der Manager lässt sich nun nicht mehr von Hübners Charme bestechen. Die halbe Stunde ist um.

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