Experte: "Bundestrojaner" bringt wenig

Finowfurt/Köln - Von den geplanten Online-Durchsuchungen privater Computer verspricht sich Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach Ansicht des Kölner Medienrechtlers Marco Gercke zu viel.

Es werde den Sicherheitsbehörden in der Regel nicht gelingen, die Software über E-Mails oder Datenströme in die Rechner mutmaßlicher Krimineller einzuschleusen, sagte Gercke am Dienstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Jurist gehört zu den Referenten beim "Chaos Communication Camp 2007", einem Zeltlager von mehr als 1000 Computerbegeisterten, das an diesem Mittwoch in Finowfurt (Barnim) beginnt. "Das größte Problem des Bundestrojaners aber ist, dass es ein deutscher Alleingang ist", sagte Gercke.

Gercke berät den Europarat in Sachen Internetkriminalität. Computersicherheit und Online-Durchsuchungen zählen zu den Schwerpunkten der 76 Vorträge und Arbeitsgruppen des Camps des Chaos Computer Clubs auf dem früheren Militärflughafen nördlich von Berlin. Das Bundesverfassungsgericht wird am 10. Oktober über die Zulässigkeit von Online-Durchsuchungen verhandeln. Schäuble will schon vor einer Entscheidung der Richter eine gesetzliche Regelung.

"Mehr als 90 Prozent der Straftaten im Internet sind internationale Delikte", sagte Gercke. Doch kaum ein Land erkenne Beweise aus Online-Durchsuchungen an. Viele so genannte Phisher, die mit falschen Internetseiten und E-Mails Bankdaten auskundschaften, säßen etwa in Russland. "Da bringt es überhaupt nichts, wenn deutsche Behörden Beweise sammeln, die in Russland nicht anerkannt werden."

Zudem sei unwahrscheinlich, dass Hersteller wie Microsoft ihre Betriebssysteme für die deutschen Ermittler öffnen. Dann bleibe den Behörden ohnehin nur, in die Wohnungen der Betroffenen einzudringen und das Programm auf deren Rechner zu spielen. "Und dann ist die Frage: Brauche ich die Online-Durchsuchung noch?"

Der Chaos Computer Club hat nach eigenen Angaben 1500 Mitglieder und setzt sich für Informations- und Kommunikationsfreiheit ein. Das Zeltlager erlebt in Finowfurt seine dritte Auflage. Die Arbeitsgruppen haben so unterschiedliche Themen wie Hardware-Löten, elektronische Musik und den Bau von Flugobjekten.

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