Experte: Bei längerer Hitzeperiode droht Fischsterben

- Koblenz - Wenn die Hitze in Deutschland noch länger anhält, droht nach Darstellung des Fischökologen Jochen Koop ein Massensterben einzelner Fisch- oder Muschelarten in den Flüssen. "Die Hitze ist sehr belastend für die Organismen", sagte der Referatsleiter Tierökologie bei der Bundesanstalt für Gewässerschutz in einem dpa-Gespräch.

Im Hitzesommer 2003 seien am Rhein großflächig Körbchenmuscheln und Aale gestorben. Damals hatten die Wassertemperaturen Spitzenwerte von 28,2 Grad in der Mosel und 28,6 Grad im Rhein erreicht. Derzeit betrage die Temperatur der Flüsse etwa 27 bis 28 Grad. Die normale, für die Tiere verträgliche Wassertemperatur im Sommer liege im Rhein jedoch nur bei 18 bis 20 Grad.

"Wenn die Temperatur um zehn Grad steigt, haben wechselwarme Tiere eine verdoppelte Stoffwechselrate", erklärte Koop in Koblenz. "Das heißt, der Energieverbrauch für einen "einfachen Wimpernschlag" ist dann doppelt so hoch, als wenn die Temperatur zehn Grad niedriger liegt." Die Fische könnten das entstehende Energiedefizit bei der Hitze nicht auffangen - sie würden schwächer und anfälliger für Infektionen. Im Sommer 2003 hätten sich die Aale gegenseitig mit einer Pilzkrankheit, der Rotseuche, angesteckt - auch deshalb, weil sie wegen des gleichzeitigen extremen Niedrigwassers auf engerem Raum lebten.

Derzeit gebe es aber noch keine Anzeichen für ein Massensterben, sagte Koop. "Wir haben gerade in der Elbe Untersuchungen gemacht. Die Temperatur lag bei 27 Grad", berichtete er. Am Rhein gebe es aber im Gegensatz zur Elbe mehr Kraftwerke, die warmes Wasser in den Fluss leiteten. "Das ist natürlich bei den jetzigen Wetterbedingungen ungünstig." Ab einer Wassertemperatur von 25,5 Grad müssten die Kraftwerke den gesetzlichen Bestimmungen zufolge die Wärmezufuhr verringern. Auch sei die mittlere Wassertemperatur der Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten generell gestiegen, wenn auch nur sehr minimal. Darin seien sich die Wissenschaftler einig. Sie stritten aber über die Ursachen und die Folgen.

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