Zerstören statt nominieren

Krasses Video: Bagger gegen Facebook-Biertrend

München - Der Facebook-Trend mit den Bier-Nominierungen geht mittlerweile vielen Facebook-Usern auf die Nerven. Das belegt ein Youtube-Video eindrucksvoll.

Das Internet ist schnelllebig ohne Ende, neue Ideen kommen auf, finden Nachahmer, werden gehypt und verschwinden anschließend wieder in den Weiten des Netzes. Wer dreht heute noch ein Harlem-Shake-Video oder tanzt den Gangnam-Style? Richtig: niemand. Dass das mit dem aktuellesten Trend "Neknomination", der von Australien und England ausgehend seit gut eineinhalb Wochen die Facebook-Chroniken in München und Umgebung beherrscht, früher oder später ebenfalls geschehen wird, war abzusehen.

Explodierten vor allem am Donnerstag und Wochenende die Newsfeeds vor lauter "Bier auf Ex-Videos", hat der Trend nun seinen Zenit wohl überschritten. Die Videos werden wieder weniger, Facebook kehrt langsam zur Normalität zurück. Dafür kursiert nun ein kurioser Film auf Youtube. Ein junger Mann zerstört mit einem Bagger eine Flasche. Sein Fazit: Ich kann mein Bier auch ohne dieses Nominierungsspiel trinken.

"Event-Trinker gehen mir auf den Geist"

Beliebtes Bild in den sozialen Netzwerken als Antwort auf den "Neknomination"-Trend.

Daneben wurden mit der Zeit immer mehr kritische Stimmen im sozialen Netzwerk laut. Manch einer verkündete großspurig, er trinke auch ohne Nominierung sein tägliches Bier und die ganzen "Event-Trinker" gingen ihm auf den Geist. Andere kamen auf die Idee den Lawineneffekt solcher Videos zu nutzen und statt der Aufforderung ein Bier zu exen eine Aufforderung zu einer kleinen Spende an eine Hilfsorganisation auszusprechen. Wahlweise könne man ja auch beides miteinander verbinden. Wie erfolgreich die Idee letztendlich verlaufen ist, ist nicht bekannt. Auch ein bekanntes Motiv mit Superheld Batman der beliebten Spaßseite 9gag machte in den letzten Tagen auf Facebook die Runde. Süffisanter Kommentar unter einem dieser Bilder: "Den Hype verteufeln, aber ihn gleichzeitig doch benutzen. Das ist in etwa genauso, wie wenn ich mich per Posting über Leute aufrege, die posten, dass es draußen schneit oder die Sonne scheint."

"Grober Schmarrn"

Die verschiedenen Artikel zu dem Thema regten viele Leser auf unserem Portal dazu an, ihre Meinung abzugeben. Während manche das Ganze einfach nur als "groben Schmarrn" bezeichneten, bemühten einige das oft zitierte Bild der verwahrlosten, komasaufenden Jugend und befürchteten eine weitere Verherrlichung des Alkoholkonsums. Aber: ist es denn wirklich so?

Fakt ist, dass sich nahezu alle Mitmacher an die ursprüngliche Regel des "Spiels" gehalten haben: nämlich ein Bier zu exen und anschließend weitere Freunde zu nominieren. Von Komasaufen oder Alkoholverherrlichung kann also keine Rede sein. Unbestritten: die ganze Idee ist im Prinzip äußerst banal und primitiv, man mag davon halten was man will. Um sich jedoch von der breiten Masse der Videos abzuheben, haben viele Facebook-User eine doch erstaunliche Kreativität entwickelt was die Gestaltung ihrer Videos angeht.

Bier in der Badewanne

Es hatte schon einen gewissen Reiz sich durch die ganzen unterschiedlichen Videos durchzuklicken. Manch einer drehte mit ein paar Freunden einen täuschend echten Tagesschaubeitrag inklusive Moderation und Kommentarstimme aus dem Off, andere verkleideten sich mit lustigen Kostümen oder tranken ihr Bier in der Badewanne. Des Weiteren ist der Genuss eines Bieres, auch wenn es auf Ex getrunken wird, wohl kaum dauerhauft schädlich. Die Gehirnzellen verliert man eher auf dem nächsten Volksfest oder bei der Wahlkampfveranstaltung nebenan, auf der es massig Freibier gibt.

Erschüttertend war dann aber die Nachricht aus Irland, zwei junge Männer seien während ihrer "Neknomination-Videos" verstorben. Der eine ertrank, nachdem er sein Bier getrunken hatte, bei einem Sprung in einen Fluss, ein anderer füllte sein Glas mit Whiskey anstatt mit Bier und starb an den Folgen. Fälle, in denen Jugendliche oder junge Menschen aufgrund von Übermut und unüberlegtem Handeln sterben, um beispielsweise besonders cool auf andere zu wirken, sind immer extrem tragisch. Leider geschieht so etwas viel zu häufig in unserer Gesellschaft, ist aber, das muss man betonen, kein explizites Problem des "Neknominating".  

Früher oder später werden auch bei diesem Trend die Gesetze bzw. Mechnismen des Internets greifen, das Trinkspiel in den Weiten des Netzes verschwinden und in Vergessenheit geraten. Menschen, die mit eigenen Videos daran teilgenommen haben, kann man noch dazu raten das Video irgendwann wieder zu löschen, damit es wenigstens auf der eigenen Pinnwand nicht mehr zu sehen ist (ob es gänzlich aus Facebook entfernt wird weiß man ja leider nie), oder die Privatsphäreneinstellungen so zu justieren, dass es nur für die eigenen Freunde zu sehen ist. Nicht, dass es in ein paar Jahren beim Vorstellungsgespräch ein böses Erwachen gibt.

ep

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