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Ein Mann, eine Erfolgsgeschichte: Als Harvard-Student erfand Mark Zuckerberg vor zehn Jahren Facebook. Heute ist er Multi-Milliardär.

10 Jahre "Gefällt mir"

So hat Facebook die Welt verändert

München – Klatsch und Tratsch für Studenten – so begann heute vor zehn Jahren die Facebook-Revolution. Inzwischen ist das soziale Netzwerk ein Milliarden-Konzern.

19 Tage, sechs Stunden und sieben Minuten. Knapp drei Wochen. So viel Zeit habe ich bei Facebook vertrödelt in den vergangenen gut viereinhalb Jahren. Man kann sich das ausrechnen lassen, die Daten hat Facebook gespeichert. Man könnte es auch so sagen: Von den letzten 1632 Tagen habe ich an 19 nichts anderes gemacht, als mich in diesem sozialen Netzwerk herumzutreiben.

Ich habe Beiträge veröffentlicht (gepostet) für meine virtuellen Freunde, habe deren Fotos mit einem „Gefällt mir“ markiert (geliked) und zu vielem ungefragt meinen Senf dazugegeben (kommentiert). Kurz: Ich habe kommuniziert, was das Zeug hält. Und das Schlimmste: Ich bin kein Einzelfall, ich bin Durchschnitt.

Facebook weiß, was wir tun

Heute, genau zehn Jahre nach dem Start von Facebook, verbringt jeder Nutzer rund 17 Minuten pro Tag in der virtuellen Community, pardon: Gemeinschaft. Früher hätten wir in dieser Zeit telefoniert, Bücher gelesen, ferngesehen. Neu ist: Jetzt weiß ich viel besser, was die anderen lesen, sehen, machen. Geht es also um Klatsch und Tratsch in Endlosschleife?

Zumindest fing so alles an. Als der Harvard-Student Mark Zuckerberg den Vorgänger von Facebook programmiert hat, damals in seiner Bude an der Eliteuni an der Ostküste, ging es um ein Spielchen, mehr nicht. Bei „Facemash“ sollten die Nutzer Fotos von Mitstudentinnen vergleichen: Welche ist hübscher? Die linke? Die rechte? Klick. Nächstes Paar. Das Problem: Zuckerberg hatte die Fotos der jungen Damen einfach geklaut – und flog deshalb fast von der Uni.

Dann kam ihm die Idee: Warum klauen, wenn die Nutzer ihre Bilder und Daten einfach selbst hochladen? Das Revolutionäre daran: Was einst privat war, wird nun freiwillig veröffentlicht – einfach, um dazuzugehören. Jeder will Teil sein dieses neuen virtuellen Jahrbuchs. Und kann jetzt nach der hübschen Tischnachbarin aus der Bibliothek suchen, die man sich nicht anzusprechen traute. Und so geht am 4. Februar 2004 „Thefacebook“ online.

Facebook nutzen täglich 750 Millionen Menschen

Was als Studentennetzwerk begann, umspannt zehn Jahre später die ganze Welt. Knapp 30 Millionen Deutsche nutzen Facebook heute, weltweit sind es rund 1,23 Milliarden Menschen – 750 Millionen davon jeden Tag. Und die sitzen auch im letzten Winkel der Erde. Sogar Aries Edison hat ein Profil. Er ist 21, lebt im Dschungel von Ecuador, eine Stunde von seinem Internetcafé entfernt. Er hat kein fließend Wasser, keinen Strom – aber Facebook.

Längst haben auch Politiker die Macht des Netzwerkes erkannt – und füttern den neuen Kanal, der den Wähler direkt erreicht, mit ihren Botschaften. Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer pflegt ihre Facebook-Seite selbst, liest und beantwortet Beiträge. 5000 virtuelle Freunde hat sie – mehr geht nicht. „Inzwischen gibt es eine lange Warteliste“, erzählt sie. „Wenn jemand abspringt, fülle ich sofort aus der Warteliste auf.“

Dass sich längst nicht nur echte Freunde auf ihrer Seite tummeln, lernte Haderthauer, als es in Würzburg Ärger um die Unterbringung von Asylbewerbern gab und sie als damalige Sozialministerin bei Facebook tagelang beschimpft wurde. Haderthauer erlebte einen echten „Shitstorm“ – so was gab es früher nicht. Doch das sei selten, sagt sie. „Wenn sich doch mal jemand im Ton vergreift, gibt’s auch von mir mal eine schärfere Antwort.“

Facebook hat die Kommunikation verändert

Weil es im Internet einigermaßen anonym zugeht, weil man sich von anderen anstacheln lässt, weil Facebook alle gleich macht, verlieren manche alle Hemmungen: Sie poltern einfach drauf los. Sepp Obermeier, Vorsitzender beim Bund Bairische Sprache, kann sich noch erinnern, dass das mal anders war. „Früher bei der Bundeswehr, da gab’s eine Regelung: Wenn was gewesen ist, hat man eine Nacht drüber schlafen müssen.“ Das müsste es bei Facebook auch geben, findet er. „Wenn 24 Stunden vergangen sind, darf man erst reagieren.“

Obermeier hat ein Facebook-Profil, nutzt es aber selten. Ihm ist das Netzwerk zu oberflächlich: „Nur Daumen rauf, Daumen runter – das hat keinen Tiefgang“, sagt er. Sprachlich sieht Dialektschützer Obermeier durchaus Positives: „Schüler haben erkannt, dass Bairisch kürzer zu schreiben ist als Hochdeutsch“, erklärt er. „Also haben sie Bairisch geschrieben.“

Facebook spielt nach amerikanischen Regeln

Die Zahl der Facebook-Kritiker schrumpft. Noch immer gibt es berechtigte Sorgen wegen des Datenschutzes. Nur: Facebook ist ein amerikanisches Unternehmen und spielt nach amerikanischen Regeln. Unvergessen ist der verzweifelte Versuch der damaligen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, durch ihren Austritt aus Facebook den Konzern zu beeindrucken. Vergeblich.

Hinzu kommt: Auch die US-Geheimdienste haben Zugang zu den Daten. Wenn wir kommunizieren, sind wir nicht mehr unter uns. Aber das eigentlich Kuriose: Es ist uns wurscht. Zumindest stören uns die Mitleser nicht so, dass wir Facebook bleiben lassen.

Was wir kommunizieren, ist heute kostbar. Denn Facebook scannt und verwertet die Daten seiner Nutzer – und zeigt ihnen auf sie zugeschnittene Werbung. Damit lässt sich richtig Geld verdienen: 2013 machte Facebook einen Umsatz von 7,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar. Insgesamt ist Facebook inzwischen 150 Milliarden Dollar wert – Zuckerbergs Anteil wird auf 31 Milliarden geschätzt. Ganz schön viel Geld für ein bisschen Zeittotschlagen. Aber gar nicht so viel für eine Erfindung, die die Welt verändert hat.  

Philipp Vetter

(Mitarbeit: cd/mmä)

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