Schlumpfinchen singt auf Ecstasy

Facebook-Initiative protestiert mit einem alten Blümchen-Hit gegen Bohlens „DSDS“

Blümchen ist wieder in den Charts. Vielleicht hat Jasmin Wagner das alles schon vor vier Jahren geahnt. Damals war sie 26 und gerade dabei, ihre Vergangenheit als Techno-Schlagerküken Blümchen vergessen zu machen.

Die Kontrahenten: Blümchen alias Jasmin Wagner (1997), die mittlerweile als Schauspielerin und Moderatorin arbeitet, und „DSDS“-Sieger Mehrzad Marashi.

„Blümchen“, sagte sie damals unserer Zeitung, „hat polarisiert wie Dieter Bohlen.“ Nun ist Wagner 30 und soll, wenn es nach Elias Berthold geht, das Abendland vor Bohlen und seinen Casting-Stars retten. Der Berliner hat in der Internet-Gemeinschaft Facebook eine Gruppe gegründet, die verhindern soll, dass der Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“, Mehrzad Marashi, auf Platz eins der Hitparade landet. Berthold ruft dazu auf, stattdessen den 14 Jahre alten Hit „Boomerang“ von Blümchen herunterzuladen. Die Gruppe gibt es erst wenige Tage, hat aber schon 17 000 Mitglieder. In den Download-Charts von iTunes und Amazon wird das Lied an Nummer zwei geführt - hinter „Don’t Believe“ von Mehrzad Marashi.

Die Aktion ist nicht neu. Im Dezember schafften es Fans der US-Band Rage Against The Machine mit dem 18 Jahre alten Song „Killing In The Name“, den Gewinner der Casting-Show „The X-Factor“, Joe McElderry, auf den zweiten Platz der englischen Single-Hitparade zu verweisen.

Mehrzad Marashi

Aber „Killing In The Name“ war ein wütender Protest-Song. „Boomerang“ klingt dagegen wie Schlumpfinchen auf Ecstasy. Berthold sieht seine Aktion nicht zu ernst. „Wenn Bohlen es mit 08/15-Songs schafft, schaffen wir es mit einem Trash-Song auch“, hat er sich gedacht. Der 25-Jährige findet, dass es „kein gutes Licht auf unser Land wirft“, wenn es in einer Talent-Show „nur um dreckige Schlagzeilen geht“.

Trotz des Rummels um „Boomerang“ durfte „Don’t Believe“ nächste Woche von Media Control zum Sieger gekürt werden. Schon am Sonntag hatte Marashis Single einen Download-Rekord aufgestellt. Andere Initiativen haben ohnehin keine Chance. Eine Facebook-Gruppe, die mit Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ gegen den „Konsumrotz“ protestiert, hat erst 44 Mitglieder. Und dann gibt es noch die Berliner Transe Nina Queer, die zum Download ihres Titels „Ficki Ficki Aua Aua“ aufruft. So ein Titel wäre selbst Bohlen zu blöd.

Von Matthias Lohr

Rubriklistenbild: © dpa/Montage: Eull

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