Facebook: Zündstoff für neue Datenschutz-Debatte

Berlin - Facebook will Software-Entwicklern und Website-Betreibern künftig den Zugang zu Telefonnummern und Adressen von Mitgliedern öffnen. Die Nutzer müssen der Weitergabe ihrer Daten jedoch ausdrücklich zustimmen.

Kritiker bemängeln aber, dass viele Menschen unüberlegt ihre Erlaubnis erteilen und sich für Online-Kriminelle angreifbar machen könnten. Facebook kündigte die Neuerung am Wochenende relativ unauffällig in einem Blog für Software-Entwickler an. Die Funktion kann auch bequem für einen Nutzer sein, weil er damit etwa auf Shopping- Websites nicht noch einmal seine kompletten Informationen eintippen müsste, sondern diese einfach aus dem Facebook-Profil übernehmen könnte. Allerdings tauchen auch immer wieder Programme auf, die darauf ausgerichtet sind, Nutzer-Informationen abzugreifen.

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So zeigte sich Graham Cluley, Experte der Sicherheitssoftware-Firma Sophos, besorgt, dass durch die Facebook-Neuerung der Identitäts-Diebstahl im Netz erleichtert werden könnte. Er empfiehl den Nutzern deshalb, Telefonnummern und Adressen aus ihren Profilen zu entfernen. Externe Entwickler können auf der Plattform von Facebook eigene Programme anbieten, sogenannte Apps. Das können Spiele, Fotosoftware, Quiz-Programme oder Geburtstagskalender sein. Wenn Nutzer diese Funktionen installieren, müssen sie eine Freigabe für die Datennutzung erteilen. Einschränkungen dafür, welche Facebook-Apps oder Websites nun einen Nutzer nach dessen Adresse oder Telefonnummer fragen können, gibt es nicht, sagte ein Facebook-Sprecher. Erscheine einem aber eine Anfrage unangemessen, könne man dies über den entsprechenden Link unterhalb der Frage melden.

Es ist die erklärte Strategie von Facebook, die gesamten Online- Aktivitäten der Nutzer vernetzen zu wollen. Dafür gibt es unter anderem den Dienst Facebook Connect, der dafür sorgt, dass diverse andere Dienste und Websites mit der Facebook-Anmeldung genutzt werden können. Dabei werden jedoch normalerweise keine Informationen über einen Nutzer mit Dritten geteilt. Facebook ist mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern das weltgrößte Online-Netzwerk und wächst schnell. Das Unternehmen geriet in der Vergangenheit immer wieder mit Datenschützern aneinander. Sie warfen Facebook unter anderem vor, zu freizügig mit Nutzer-Informationen umzugehen. Die neue Funktion erfüllt zumindest die Grundforderung von Datenschützern, dass die Menschen einer Weitergabe ihrer Daten explizit zustimmen müssen.

Allerdings umfassen die Erlaubnis-Anfragen von Websites und Apps inzwischen oft zahlreiche Punkte - so dass es durchaus passieren kann, dass man etwas übersieht. Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar, der in Deutschland für Google zuständig ist und auch mit Facebook verhandelt, sieht deshalb die Mitglieder des Netzwerks stärker gefordert. “Derartige Pläne setzen einen selbstverantwortlichen Nutzer voraus“, betonte er auf Nachfrage der dpa. “Wie das Verhalten im Straßenverkehr muss auch das Verhalten in der digitalen Gesellschaft erlernt werden.“ Gerade bei jungen Menschen müsse Datenschutzkompetenz gefördert werden. Der Schritt sei für ihn keine Überraschung: “Die Nutzer müssen sich bewusst sein, dass Facebook letztlich wirtschaftliche Interessen verfolgt.“

dpa

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