Der Ablauf ist immer gleich

Fake-Events bei Facebook: Was dahinter steckt

Fake-Events, die nicht stattfinden, scheinen sich bei Facebook zu häufen und machen seriösen Veranstaltern und Usern das Leben schwer. Was dahinter stecken könnte.

München - Immer öfter erscheinen interessante Events, die nicht so häufig vorkommen, ohne feste Angaben zu Ort und Uhrzeit oder zum Veranstalter. Aufgrund der Besonderheit der Events zeigen viele Menschen Interesse und drücken dafür den „Teilnehmen“- oder „Interessiert“-Button. Aber was steckt dahinter?

Facebook hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 stark verändert. Die ursprüngliche Idee der privaten Social Community, in der Menschen Fotos zu ihrer Geburtstagsparty posten, ihre Verlobung mitteilen und Eindrücke vom Auslandsjahr teilen, ist einem Netzwerk gewichen, das stark von Werbung zu Produkten und Dienstleistungen, Eventmitteilungen und universellen Diskussionen geprägt ist.

Die privaten Nachrichten persönlicher Events gibt es zwar immer noch. Aber wer heute Facebook checkt, will meistens nur schnell einen Blick ins Postfach werfen, kurz chatten, die im Stream schon vorgefilterten Nachrichten und lustigen Videos anschauen oder gar sich in Diskussionen verbal die Köpfe einhauen. So ist das: Menschen und ihr Verhalten ändern sich. Daran gibt es erst einmal nichts zu meckern.

Aber der soziale Gedanke wird im Facebook-Netz – so scheint es – meist nur noch gelebt, wenn es um Events geht, auf denen man gemeinsam feiern, einen Film gucken oder Sport treiben kann.

Und genau das scheinen sich einige windige Menschen zu Nutze machen zu wollen. Und zwar mit Fake-Events, nach den Fake-Gewinnspielen und Fake-News die nächste Stufe, mit der sich die Netzwerke herumschlagen dürfen. Denn hier werden User hinters Licht geführt. Nur erschließt sich einem der Sinn dahinter nicht sofort.

Fake-Veranstaltungen auf Facebook?

Oft werden solche Veranstaltungen ohne genaue oder mangelnde Angaben zu Ort, Uhrzeit und Veranstalter gepostet. Ihre Themen sind aber so ansprechend (wie z.B. Schwimmbad-Kino, Rooftop-Yoga, Before-Work-Party etc.), dass sich hunderte und zum Teil tausende Facebook-User dafür interessieren und dies mit Kommentaren und Klicks auf die „Interessiert“- oder „Teilnehmen“-Buttons zum Ausdruck bringen. Der Mangel an Informationen bleibt, bis kurz vor knapp der „Veranstalter“ das Event kurzfristig aus „Sorge über den Zusammenbruch der Infrastruktur“ absagt.

Dabei soll es schon vorgekommen sein, dass einfach komplette, tatsächlich stattfindende Events kopiert werden, so dass seriöse Anbieter Konkurrenten haben, die es gar nicht gibt, und demnach durch die Verwechslung vom User zumindest Kritik, wenn nicht gar finanzielle Einbußen befürchten müssen.

Natürlich gibt es auch die Spaß-Events, die durch ihr Thema wie „Hausputz-Party bei Promi XY“ schon klarmachen, dass sie nicht stattfinden werden. Aber wie schon die vorherigen, dienen sie vermutlich nur einem bestimmten Zweck: Dem Sammeln von Daten.

Das wäre eine logische Erklärung. Denn allen Fake-Events gemein ist, dass sie nicht stattfinden werden. Wozu sonst sollte man also so einen Wirbel veranstalten?

Big Data?

Auffällig ist auch, dass alle Fake-Events mit vagen Informationen daher kommen, aber mit besonderen Themen und eyecatching Superlativen wie „allseits beliebt“, „der Renner aus den USA nun auch in Deutschland“ etc. nur so um sich werfen. Auch werden meist verschiedene Seiten für mehrere Städte eröffnet. Das ist ziemlich viel Aufwand für Events, die nicht stattfinden werden.

Dieser Aufwand wird womöglich deshalb gemacht, damit auch möglichst viele Menschen per Klick darauf anspringen. Kennt man ja aus Werbung und Medien: Große Schlagzeilen bleiben hängen. Nur sollten sie aber der Wahrheit entsprechen.

So bleibt zumindest die Schlussfolgerung, dass es sich hier um eine neue und vor allem kostengünstige Form des Datensammelns bzw. der Werbestrategie handeln könnte. Allerdings macht das Ganze nicht nur für Event-Veranstalter, die Erfolge von Events und User bewerten wollen, Sinn. Auch Marken, die mit Veranstaltungen gar nichts am Hut haben, aber bestimmte Zielgruppen wie Action-Film-Liebhaber, Wein-Fans oder Vielreisende auswerten und erreichen wollen, können durch diese Fake-Events profitieren. Denn über die Facebook-Zusagen können Event-Veranstalter Informationen über mögliche Interessenten in Form der Facebook-IDs sammeln. Und für diesen Service müssten sie nicht extra etwas bezahlen. Denn bei Facebook Veranstaltungen zu erstellen ist kostenlos.

Anders würde es laufen, wenn Facebook maßgeschneiderte Zielgruppen wie zum Beispiel Bier-Liebhaber oder Flip Flop-Fans („Custom Audience“) für Werbeunternehmen erstellen würde. Diese Datensätze kosten die Unternehmen Geld. Weil die Mitgliedschaften und viele Funktionen bei Facebook bekanntlich umsonst sind, sind Daten und Werbung das Geschäftsmodell von Facebook. Und da Facebook das unseriöse User ID Scraping, bei dem mit Hilfe externer Software aus Events IDs herausgelesen und für Werbezwecke genutzt werden können, allein schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sicher unterbinden möchte, mussten sich wohl findige Daten-Sammler ein neues Spielfeld suchen: Die Fake-Events. Auch wenn das User ID Scraping sicher immer noch umgeht.

Übrigens: Hinzu kommt, dass die Personen, die "Zusagen" geklickt haben, theoretisch auch nach Ablauf des Events Neuigkeiten vom Veranstalter auf ihrer Timeline erhalten können.

Noch andere Gründe?

Wie enttäuschte User-Kommentare zeigen, sind Fake-Events aus Werbe- sowie Markenpositionierungssicht keine gute Entscheidung. Denn der Groll der User lässt jede möglich Eigenwerbung sofort verpuffen.

Wer allerdings mal eine lustige Werbe-Kampagne mit einem gezielten und klar formulierten Fake-Event verknüpft, den jeder sofort als solchen erkennt, kann sicher über einen kurzen Zeitraum eine große Menge an Menschen erreichen, die sich gemeinsam köstlich über diese Idee amüsieren und dies gerne teilen. Der Erfolg wäre aber nur einmalig, nur für kurze Zeit und nur im Zusammenhang mit einem konkreten Produkt, einer Dienstleistung oder einer Markenbotschaft nutzbar.

Wer trägt den Schaden?

Wer würde durch die falschen Facebook-Events einen Schaden davontragen? Zum einen seriöse Veranstalter, deren Events kopiert wurden. Natürlich aber auch all jene, die sich am Event per Button-Klick oder Kommentar interessiert zeigten. Ihre User-IDs werden ungefragt gesammelt und kategorisiert. Von der Enttäuschung über den nicht stattfindenden Event mal abgesehen. Natürlich schadet es auch Unternehmen, die ihre Werbestrategie nach der Gesetzgebung ausrichten und womöglich durch unseriöse Aktionen einen Wettbewerbsnachteil haben könnten. Und nicht zuletzt auch Facebook, die mit gezielter Werbung basierend auf Datenanalyse ihr Geld verdienen – oft sehr zum Ärger des Datenschutzbeauftragten.

Was kann man gegen Fake-Events tun?

Im Grunde nicht viel, außer den gesunden Menschenverstand einzuschalten und nicht alles „wegzuliken“, was einem gefällt. Selbiges gilt für Mails: Schreibt nicht einfach an jede Emailadresse, über die man euch weitere Informationen über die jeweilige Veranstaltung verspricht. Und natürlich sollten auch nicht einfach Eintrittsgelder irgendwohin überwiesen werden – auch wenn aufgrund „des hohen Ansturms nur Vorverkauf möglich“ sein soll.

Denn Facebook kann wohl kaum viel ausrichten: Einen Filter, der Fake-Events erkennt, gibt es nicht.

Rubriklistenbild: © AFP

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