Familiärer Hochsicherheitstrakt

- Fast 100 000 Studierende strömen jeden Tag - außer in den Semesterferien - in die Hörsäle, Übungsräume und Labors der Hochschulen im Großraum München. Wir haben einigen Studentinnen und Studenten an einem Tag über die Schulter geschaut, um ihren Studienweg und den Arbeitsplatz aus ihrer ganz persönlichen Perspektive mitzuerleben. Heute: Alexandra (23), Restaurations-Studentin.

<P>Der Raum hat eine breite Fensterfront zum Englischen Garten. Doch durch den zugezogenen Vorhang lässt sich der Blick ins sonnenbeschienene Grün nur erahnen. In der Werkstatt der TU-Restauratoren an der Oettingenstraße 15 ist es auch bei Sommerhitze angenehm kühl, die Luftfeuchtigkeit wird konstant bei 53 Prozent gehalten - zum Schutz der Kunstschätze, die hier liegen. <BR><BR>Alexandra Czarnecki hat eines dieser Kunstwerke in Arbeit. <BR><BR>Durch das Stereo-Mikroskop in der Mitte der Werkstatt betrachtet die Restaurierungs-Studentin im vierten Semester das Fragment einer Wandmalerei. "Sie zeigt wahrscheinlich zwei Heilige und ein Wolkenband", erklärt die 23-Jährige. <BR><BR>Doch zu sehen ist von dem Motiv nichts. Was unter dem Mikroskop liegt, ist für laienhafte Blicke eher ein unscheinbarer Gesteinsbrocken. Und genau an diesem Punkt setzt die Arbeit der Restauratoren an: Gemälde, Plastiken oder auch Möbel, die vom Zerfall bedroht oder beschädigt sind, wieder wie neu aussehen zu lassen. <BR><BR>Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft ist der vollständige Name des Studiengangs, der sein Zuhause im Gebäudekomplex des Bayerischen Nationalmuseums hat. In der Werkstätte in dem von der Technischen Universität angemieteten Trakt wirft jetzt auch Natalie Schlage einen Blick durchs Mikroskop. Sie ist zwar erst im zweiten Semester, in Sachen Konservierungs- und Restaurierungs-Methoden aber auf einem ähnlichen Wissensstand wie ihre Freundin Alexandra.<BR><BR>Vorlesungen sind eher Diskussionrunden</P><P>Denn die Zahl der angehenden Restauratoren - im zweiten Semester sind derzeit sechs, im vierten zwölf Studenten - ist so klein, dass oft Studenten aus mehreren Semester dieselbe Vorlesung besuchen. "Wobei Vorlesung nicht ganz der richtige Ausdruck ist", betont Natalie Schlage. Meist sei es eher eine Diskussion, die sich zwischen den wenigen Lernenden und den Lehrenden - oft Gastdozenten vom Nationalmuseum oder dem für die bayerischen Staatsgemäldesammlungen zuständigen Doerner-Institut - entwickelt. <BR><BR>Die Schar der Restaurierungs-Studenten ist nicht nur klein, sondern auch erlesen. Wer aufgenommen werden will, muss zwei Jahre Praxiserfahrung mitbringen und eine Aufnahmeprüfung bestehen. In den Augen von Czarnecki und Schlage ein Vorteil: Wer diese Hürden überwunden habe, der ziehe sein Studium auch durch. Und das, obwohl es das Studium in sich hat. Neben Kunstgeschichte umfasst der Stundenplan Mathe, Chemie und Physik.<BR><BR>Die Fülle an Stoff schlägt sich in einem umfangreichen Stundenplan nieder. 26 Wochenstunden im zweiten Semester findet Natalie noch "relativ locker", die 40 im ersten Semester seien aber "ein Hammer" gewesen. Und zu den Lehrveranstaltungen nach Plan kommen nicht selten viele Stunden in der Werkstatt - oft bis spät in den Abend hinein. An diesem Tag ist der Aufenthalt in der Werkstatt am Nachmittag beendet, weil die zwei Studentinnen lernen müssen.<BR>Alexandra löscht das Licht und schließt gewissenhaft die Tür ab. Wo wertvolle Kunst liegt, soll schließlich nicht jeder Zugang haben. "Das ist schon ein Hochsicherheitstrakt", sagt Alexandra. Und Natalie ergänzt: "Aber ein sehr familiärer. Alle hier kennen sich und arbeiten zusammen."<BR></P><P><BR> </P>

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