Fatigue - das Erschöpfungssyndrom

- Schon das Aufstehen vom Tisch oder aus dem Bett ist für die an Lymphdrüsenkrebs erkrankte Studentin Susanne H. eine Qual. Sie ist kein Einzelfall: Drei Viertel aller Krebskranken fühlen sich erschöpft und müde, viele sind in ihrer allgemeinen Lebensqualität stark eingeschränkt und können sich kaum mehr auf eine Arbeit konzentrieren. Je nach Ausprägung der Erschöpfung wird nach der Krebstherapie auch die berufliche Wiedereingliederung verzögert. Nach dem französischen Wort für Müdigkeit, Erschöpfung werden diese erst seit einigen Jahren beachteten Symptome "Fatigue" genannt.

<P>Im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) wurden Therapiemöglichkeiten der Fatigue auf einer psycho-onkologischen Tagung diskutiert. Von den Ärzten werde die extreme Erschöpfung Krebskranker oft unterschätzt, meint Michael Molls, Direktor der Klinik für Strahlentherapie. Dabei belastet die Fatigue nach einer Studie der Trinity Hospice, London, die Patienten am meisten. Die Mehrzahl der Ärzte stuft dagegen Schmerzen als das größte Problem ein.</P><P>Viele Faktoren wirken zusammen, wie der Onkologe Christoph von Schilling erläutert: Viele Kranke leiden durch den Tumor unter Gewichtsabnahme und Blutarmut. Strahlen- und Chemotherapie beeinträchtigen die Blutbildung im Knochenmark. Die Therapie verursacht leicht einen Mangel an dem Wachstumshormon Erythropoetin, das die körpereigene Produktion roter Blutkörperchen ankurbelt. Anämie (Blutarmut) ist die Folge.</P><P>Auch psychische Folgen der Krebserkrankung wie Angst und Depression oder Bewegungsmangel und Schlafstörungen können in lähmender Müdigkeit münden. "Das Vorurteil, man könne nichts gegen die Fatigue unternehmen, stimmt nicht", sagt Dr. Pia Heußner von der Arbeitsgemeinschaft Psycho-Onkologie im Tumortherapie-Zentrum der TUM. Bei Anämie werde mit Transfusionen eine rasche Besserung des Befindens erzielt, was aber nicht lange anhalte. Dauerhafter sei eine Therapie mit Erythropoetin, das ein- bis dreimal wöchentlich unter die Haut (subkutan) oder in die Vene (intravenös) gespritzt wird. Außerdem benötige die Hälfte der Krebspatienten eine begleitende Psychotherapie.</P><P>Das Fachblatt Lancet (2003/362) berichtet über Studienergebnisse, wonach gezieltes Bewegungstraining, etwa auf dem Fahrradergometer oder Laufband, ebenfalls die Leistungsfähigkeit erhöht. <BR>Internet: www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de<BR></P>

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