Fieberhafte Suche nach dem Erreger

- München - Für die mysteriöse Lungenentzündung, die im Medizinerjargon Schweres Akutes Atemwegs-Syndrom (SARS) genannt wird, weil die Kranken neben hohem Fieber an starker Atemnot und extremem Husten leiden, gibt es noch kein zuverlässiges Therapiekonzept, vor allem, weil man den Erreger nicht kennt. Dennoch stehen die Ärzte der Infektion nicht völlig hilflos gegenüber.

<P></P><P>Gestern berichtete der Leiter der WHO-Abteilung für Infektionskrankheiten in Peking, Alan Schnur, dass zwar Antibiotika nicht angeschlagen hätten, doch würden die rund 300 Patienten in der Provinz Guangdong (Kanton), in der die Krankheit vor fünf Monaten zuerst ausbrach, "einer nach dem anderen" wieder gesund.</P><P>Doch so weit ist es mit dem Arzt aus Singapur, der den unbekannten Erreger auf dem Flug von New York nach Frankfurt eingeschleppt hatte und dessen Frau und Schwiegermutter ebenfalls krank auf der Isolierstation liegen, noch nicht. Ihr Zustand ist aber relativ stabil, wie es gestern hieß.<BR><BR>Als "sehr unprofessionell" hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Reinhard Kurth, im ZDF-Morgenmagazin das Verhalten des Arztes kritisiert, der sich ins Flugzeug gesetzt hatte, obwohl er sich bereits sehr krank fühlte. Inzwischen sind zwei weitere Frauen, die ebenfalls in dem Flieger saßen, mit Verdacht auf Ansteckung in Leipzig in die Station für hochansteckende Krankheiten eingeliefert worden. Ihre Symptome: hohes Fieber und starker Husten. Alle anderen Passagiere sind im Übrigen noch zu Hause unter Beobachtung. <BR><BR>Ein Grund für überängstliche Reaktionen in der Öffentlichkeit besteht aber nicht, und die Gefahr, an Virusgrippe (Influenza) zu erkranken, ist weit größer, darauf verweist Dr. Gundula Jäger von der Abteilung für Diagnostische Mikrobiologie am Max-von-Pettenkofer-Institut in München: "Es scheint sich hier nicht um eine typische Vorbeigeh-Infektion zu handeln, sondern um eine Übertragung nur bei engem Kontakt." </P><P>Das Tragen von Mundschutz in den betroffenen Gebieten Asiens hält sie daher auch nicht für nötig. "Meiden würde ich aber als Europäer dort vorerst Massenveranstaltungen wie Kongresse, bei denen man sehr lange mit vielen Menschen in einem Raum ist, und ich würde auch nicht unbedingt mit dem Rucksack in abgelegene Regionen ziehen", meint die Mikrobiologin. Vor allem die Tatsache, dass man den Erreger der Lungenentzündung noch nicht kenne, sorge für weltweite Nervosität, gibt sie zu bedenken: "Es sind schließlich von mehr als 600 Erkrankten bisher nur neun an dieser Lungenentzündung gestorben, die Sterblichkeit ist also weit geringer als bei Influenza." <BR><BR>Ähnlich denken ihre Kollegen von den Tropenmedizinischen und Virologischen Instituten. "Kein Grund zur Panik", heißt es in München wie in Hamburg, Marburg und Berlin, "aber wir müssen den Erreger unbedingt finden." Derzeit wird in europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Labors fieberhaft nach dem Krankheitskeim gesucht, der ebenso ein Virus wie ein Bakterium oder auch ein Pilz sein könnte. </P><P>Allein unter den Bakterien kennt man etliche, die Lungenerkrankungen auslösen, wie Pneumokokken (typische Form der Pneumonie), Legionellen (Legionärskrankheit), Chlamydien oder Mykoplasmen. Während es dafür wirksame Antibiotika gibt, greifen diese bei der unbekannten Lungenentzündung nicht, was dafür sprechen könnte, dass ein Virus dahinter steckt. Nach Auskunft des Robert-Koch-Institutes in Berlin wurde auch bei Schleimproben und im Blut der Frankfurter Patienten kein Bakterium entdeckt. <BR><BR>Nun müssen erst einmal die in Kulturen angezüchteten Gewebeproben der Patienten analysiert werden, um so vielleicht einen Keim zu isolieren.<BR>Doch es kann durchaus sein, dass das nicht gelingt. Denn es gibt Erkrankungen bei denen der Erreger schon verschwunden ist, wenn die Symptome ausbrechen: "Gerade bei Pneumonien kann man den Erreger nicht immer definieren", erläutert Dr. Jäger. "Da muss man dann unter anderem aus bestimmten Medikamenten auf den Auslöser schließen." <BR><BR>Dass erste Fluggesellschaften ihren Mitarbeitern empfohlen haben, auf "verdächtige" Reisende mit Fieber und Atemproblemen zu achten, hält die Expertin aber nicht für abwegig: "Die Leute sind auf jeden Fall so krank, das sieht ein Blinder mit dem Krückstock."</P><P>Lesen Sie hierzu: "Kontrollen sind nicht machbar"<BR></P><P> </P>

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